Treffen der Langzeitlebertransplantierten in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)

Am 5. Juni 2026 fand auf Einladung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) das Treffen der Langzeitlebertransplantierten statt. 
Rund 20 Patientinnen und Patienten folgten mit ihren Angehörigen der Einladung. 
Dies waren alle Personen, deren Lebertransplantation 30 Jahre oder länger zurückliegt.
Auch einige Mediziner und Pflegepersonal von damals waren gekommen.
Viele Betroffene wussten bis zu diesem Tag nicht, wie viele andere ebenfalls eine so lange Zeit erfolgreich mit einem Spenderorgan leben.

Die Veranstaltung bot eine Plattform für den persönlichen Erfahrungsaustausch und beleuchtete sowohl die historischen Meilensteine als auch medizinische Kernfragen der Langzeitüberlebenden.

Das Treffen begann mit einem informellen Austausch der Teilnehmenden im Bereich vor der Klinikcafeteria.
Auch von unserem Verband nahmen 3 Langzeittransplantierte teil: Birgit Schwenke mit schon über 41 Jahren, die auch vor einigen Jahren noch eine neue Niere bekommen hat, Mariele Höhn seit über 35 Jahren lebertransplantiert und Ulrich Kraus lebt schon über 30 Jahre mit einer Spenderleber. (s. Foto)

Im Anschluss folgten sehr interessante Fach- und Rückblicksvorträge im Hörsaal H der MHH.
Frau Dr. med. Ulrike Bode, Leitung Management des Transplantationszentrums, die dieses Treffen organisierte, begrüßte alle Teilnehmenden und dankte für ihr Kommen.
Prof. Dr. Moritz Schmelzle (Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie) betonte, dass diese Menschen eindrucksvoll zeigen, was moderne Transplantationsmedizin leisten kann. Viele von ihnen gründeten Familien, machten Karriere und gewannen Jahrzehnte an Lebenszeit. 
Zudem wurde das medizinische Wirken von Professor Dr. Rudolf Pichlmayr gewürdigt. Er rief 1972 das Lebertransplantationsprogramm an der MHH ins Leben und baute Hannover zu einem weltweit führenden Zentrum aus.
Seitdem wurden an der MHH mehr als 4.000 Lebertransplantationen erfolgreich durchgeführt.
Als bewegendes Beispiel galt Ilse K., die 1985 im Alter von 36 Jahren aufgrund einer inoperablen Krebserkrankung transplantiert wurde. Dank des Organs überlebte sie die Diagnose um 41 Jahre und erlebte das Aufwachsen von zwei Kindern, drei Enkeln und zwei Urenkeln. 
Prof. Dr. Burckhardt Ringe, ehemaliger Oberarzt der MHH-Klinik, berichtete von den schwierigen Anfängen der 1980er-Jahre. Operationstechniken und das Management der Immunsuppressiva mussten damals erst erlernt werden.
Die Patientin Silke berichtete über die Nachsorgeregeln aus den Jahren 1988/1989, die mittlerweile schon lange überholt sind. Sie gab einen Rückblick auf die damaligen, noch stark strengen Hygiene- und Behandlungsrichtlinien im Vergleich zur modernen Nachsorge.
Z.B. durfte man niemals Blumenerde anfassen, keinen Sport machen, Hände waschen ohne Ende, viel Sterillium, ein Jahr nichts heben, kein Alkohol, nicht schwanger werden, nicht zu viel Fett essen (entweder Pommes oder Eis, nie beides zusammen), Medikamente regelmäßig einnehmen (Sandimmun gab es damals als Lösung zum Aufziehen mit warmen Kakao), Einnahme maximal 10 Minuten verschieben – sonst keine Garantie. Das Schwimmen im Hallenbad war verboten. Bei evtl. Urlaub im Süden: keinen Salat essen, kein Obst essen, Cola ohne Eiswürfel bestellen, nicht duschen! Ein tierärztliches Studium war auch verboten wegen zu vielen Keimen.
2026 hat sie ihre eigenen Regeln aufgestellt: 
• Sei lieb und nett zu dir selbst!
• Sei lieb und nett zu deinen Mitmenschen!
• Vor dem Essen Händewaschen!

Außerdem wurden die Fragen gestellt: „Wie lange kann man mit einer transplantierten Leber leben?“ Die Antwort war klar definiert: „wir wissen es nicht! Aber was wir wissen, 30 Jahre sind möglich und die Geschichte ist noch nicht zu Ende!“
Die 2.Frage lautete: „Was können wir von Langzeitüberlebenden mit fremder Leber lernen?“ Es folgte eine Analyse von Erfolgsfaktoren im Selbstmanagement und der Krankheitsbewältigung.
Was macht 30 Jahre Überleben möglich? 
• Grunderkrankung?
• Alter des Empfängers?
•Alter des Spenders?
• Geschlecht?
• Immunsuppression?
• Erfahrung des Zentrums?
Die nächste Frage beschäftigte sich mit: Wie geht es den 30-Jahres- Überlebenden?
• Das Durchschnittsalter bei der Transplantation lag bei 25 Jahren
• Das Durchschnitts- Spendenalter lag bei 19 Jahren
Die älteste Patientin bei der Transplantation war 61 Jahre und ist heut 95 Jahre.
7 Patienten leben bereits über 40 Jahre mit einer neuen Leber.
Der älteste Spender war 62 Jahre.
Von 1972 bis 1994 wurden an der MHH 756 Lebern verpflanzt. 604 Erwachsene und 152 Kinder. 138 Patienten leben jetzt schon über 30 Jahre mit einem Spenderorgan.
Von den transplantierten Kindern machten 58% eine Berufsausbildung und 62 % sind berufstätig.

Nach den Vorträgen absolvierten die Teilnehmenden einen gemeinsamen Rundgang, der sie unter anderem zu den Räumlichkeiten der damaligen Transplantationsstation 12 führte. Es wurden viele Erinnerungen wieder geweckt.

Zum Abschluss versammelten sich die Patientinnen und Patienten, Angehörige und das medizinische Personal im MHH-Patientengarten am sogenannten „Dankesmal“ zu einem gemeinsamen Foto.
Dieses „Dankesmal“ wurde 2021 eingeweiht, um Organspendern, Gewebespendern und Blutspendern zu danken.
Es ist ein Rückzugsort für Angehörige und Patienten und ein Ort zum Danken: Ein Zeichen der Wertschätzung für Lebensretter.
Bei Berührung einer goldenen Hand spielen Dankesbotschaften von Organempfängern ab.
Dort setzten sie ein Zeichen der tiefen Dankbarkeit für die Organspenderinnen und Organspender, ohne deren Entscheidung diese "800 Jahre geschenktes Leben" nicht möglich gewesen wären. 
Ein würdevoller Abschluss dieses eindrucksvollen Tages.


Text: Mariele Höhn, Fotos: MHH, M. Höhn
 

Corinna Glockenmeier und Christina Hülsmann am Infostand

Corinna Glockenmeier und Christina Hülsmann am Infostand

Drei Langzeit-Transplantierte: Mariele Höhn mit Tochter, Birgit Schwenke mit Mann und Ulrich Kraus

Drei Langzeit-Transplantierte: Mariele Höhn mit Tochter, Birgit Schwenke mit Mann und Ulrich Kraus

Rundgang im Klinikum

Rundgang im Klinikum

Einblick in die Station 12

Einblick in die Station 12

Gruppenbild

Gruppenbild

Dankesmal

Dankesmal

Kontakt

Lebertransplantierte Deutschland e.V.
Montag - Freitag 9:00 bis 13:00 Uhr 

Telefon: 02302/1798991
Fax: 02302/1798992

E-Mail: geschaeftsstelle(at)lebertransplantation.de

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