Am 22. November 2025 fand am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) ein Patiententag zur Lebertransplantation statt, der sich an Wartepatienten, bereits transplantierte Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige richtete. Die Veranstaltung bot einen umfassenden Einblick in aktuelle Entwicklungen, medizinische Abläufe und unterstützende Angebote rund um das Thema Lebertransplantation.
Zu Beginn begrüßte Prof. Dr. Markus Scherer die Teilnehmenden und stellte die beeindruckende Entwicklung des Transplantationszentrums vor. Insgesamt wurden am UKR bislang 1.107 Lebertransplantationen durchgeführt, wobei bereits im November 2022 die 1.000. Transplantation seit Bestehen des Zentrums erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Besonders hervorzuheben ist die Spezialisierung auf sogenannte Split-Lebertransplantationen, bei denen eine Spenderleber für zwei Empfänger geteilt wird. Bis Mitte 2020 wurden in Regensburg bereits 250 solcher Eingriffe realisiert, womit das Zentrum bundesweit eine führende Rolle einnimmt. Auch in der pädiatrischen Lebertransplantation zählt der Standort zu den führenden Einrichtungen in Deutschland. Diese Expertise spiegelt sich zudem in der regelmäßigen Spitzenplatzierung im Ranking des F.A.Z.-Instituts unter den großen bayerischen Universitätskliniken wider.
Im Anschluss wurde das interdisziplinäre Transplantationsteam vorgestellt, das die komplexe Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherstellt. Beteiligt sind unter anderem Fachbereiche wie Anästhesie, Chirurgie sowie die Innere Medizin, die sowohl die prä- als auch die posttransplantative Betreuung übernehmen. Auch die spezialisierte Versorgung von Kindern ist integraler Bestandteil des Zentrums.
Ein zentraler Programmpunkt war der Vortrag von Transplantationsbeauftragtem Dr. Stephan Schweiger zur Organspende in Deutschland. Er erläuterte die grundlegenden Voraussetzungen für eine Organspende: die zweifelsfreie Feststellung des Hirntodes, das Vorliegen einer Zustimmung zur Organentnahme sowie das Fehlen medizinischer Kontraindikationen. Trotz einer grundsätzlich positiven Einstellung von rund 85 % der Bevölkerung zur Organspende liegt lediglich bei etwa 15 % ein dokumentierter Wille vor. In der Mehrzahl der Fälle ist der Wille unbekannt, was dazu führt, dass Angehörige in der Ausnahmesituation häufig gegen eine Organspende entscheiden. Vor diesem Hintergrund bleibt Deutschland im internationalen Vergleich ein Organempfängerland, nicht zuletzt aufgrund der fehlenden Widerspruchsregelung, die in vielen anderen europäischen Ländern gilt.
Die Vergabe von Spenderorganen wurde von Dr. Markus Götz näher erläutert. Grundlage bildet die Meldung an Eurotransplant, wobei insbesondere der sogenannte ReMELD-Na-Score zur Priorisierung herangezogen wird. Dieser wurde zum 1. April 2025 eingeführt und berücksichtigt mehrere klinische Parameter, um eine gerechtere Verteilung der verfügbaren Organe zu gewährleisten. Patientinnen und Patienten mit höchster Dringlichkeit (High Urgency, HU-Status), etwa bei akutem Leberversagen, werden bevorzugt berücksichtigt. Für Kinder kommt ergänzend der PELD-Score zur Anwendung.
Ein weiterer wichtiger Aspekt wurde von Dr. Florian Hitzenbichler beleuchtet, der über Risiken der Immunsuppression und den Umgang mit Infektionen referierte. Impfungen sollten möglichst vor der Transplantation erfolgen, da nach dem Eingriff bestimmte Impfstoffe – insbesondere Lebendimpfstoffe – nicht mehr verabreicht werden dürfen. Zudem wurde auf die Bedeutung frühzeitiger Diagnostik und Therapie bei Infektionen hingewiesen, beispielsweise durch verfügbare Schnelltests und antivirale Medikamente. Auch Angehörigen wird ein umfassender Impfschutz empfohlen, um transplantierte Personen bestmöglich zu schützen.
Nach einer Kaffeepause folgten praxisnahe Einblicke in die pflegerische Versorgung. Vertreterinnen und Vertreter der Transplantationspflege erläuterten die Abläufe auf der Intensiv- und Normalstation. Unmittelbar nach der Operation erfolgt die engmaschige Überwachung auf der Intensivstation, einschließlich der Anpassung der immunsuppressiven Therapie. Auf der Normalstation steht neben der medizinischen Betreuung zunehmend die Förderung des Selbstmanagements im Fokus. In diesem Zusammenhang wurde ein geplantes Beratungs- und Begleitungsangebot vorgestellt, das Patientinnen und Patienten langfristig unterstützen soll.
Ergänzend informierte die Ökotrophologin Andrea Foltan über ernährungsmedizinische Besonderheiten nach einer Lebertransplantation. Aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos sollten bestimmte Lebensmittel, insbesondere rohe oder nicht ausreichend erhitzte Produkte wie Rohmilchkäse, rohes Fleisch oder Sushi, konsequent vermieden werden. Auch Wechselwirkungen zwischen Nahrungsmitteln – etwa Grapefruit – und immunsuppressiven Medikamenten wurden thematisiert.
Peter Schlauderer und Brigitte Herzog hat die Bedeutung von Selbsthilfegruppen hervorgehoben. Sie betonen, dass eine starke Interessenvertretung nicht nur Unterstützung im Alltag bietet, sondern auch gesundheitspolitisch Einfluss nehmen kann, beispielsweise in der Debatte um gesetzliche Regelungen zur Organspende.
Den Abschluss bildeten sehr persönliche und emotionale Erfahrungsberichte von Vincent Domröse, Rene Ross und Peter Schlauderer. Sie erzählten ihre Geschichten um den Anwesenden Mut machen und die medizinischen Inhalte um eine wichtige menschliche Perspektive ergänzten.
Insgesamt bot der Patiententag eine fundierte und zugleich praxisnahe Plattform für Information, Austausch und Orientierung. Veranstaltungen dieser Art leisten einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung und Unterstützung von Patientinnen und Patienten im Rahmen der Lebertransplantation.
Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten für ihren wertvollen Einsatz.
Text und Foto: Renate Tausche und Peter Schlauderer
Lebertransplantierte Deutschland e.V.
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