Vom 13. bis 18. September 2026 fand zum zweiten Mal die Fußballweltmeisterschaft für Transplantierte statt. Nachdem die deutsche Herrenmannschaft im vergangenen Jahr in Dresden den Weltmeistertitel errungen hatte, durfte Team Deutschland die Weltmeisterschaft in diesem Jahr im eigenen Land austragen. Austragungsort war das FSV-Gelände in Frankfurt.
Bei den Herren gingen insgesamt 15 Mannschaften an den Start. Teams aus Australien, Chile, den USA, Großbritannien, Spanien, Portugal, Mexiko und weiteren Ländern kämpften um den Weltmeistertitel. Das Männerturnier wurde in drei Gruppen ausgetragen und endete mit einem spannenden Finale, in dem sich Großbritannien den Weltmeistertitel sichern konnte.
Doch diese Weltmeisterschaft war in besonderer Weise historisch: Zum ersten Mal gab es auch reine Frauenmannschaften bei einer Fußballweltmeisterschaft für Transplantierte.
Bisher gibt es leider noch nicht viele transplantierte Frauen, die Fußball spielen. Umso größer war die Freude und auch der Stolz, dass es uns als Team Deutschland gelungen ist, 14 Spielerinnen zusammenzubringen und eine eigene Frauenmannschaft aufzustellen. Neben Deutschland waren Großbritannien und Nordirland, Australien sowie das Team United dabei. In Team United spielten transplantierte Frauen aus verschiedenen Nationen, unter anderem aus den USA, Mexiko, den Niederlanden und der Schweiz.
Für die Frauen hieß es: Jede Mannschaft spielt gegen jede. Unser Turnier fand vom 16. bis 18. September 2026 statt.
Der Weg zu unserer ersten gemeinsamen Weltmeisterschaft begann bereits Anfang August. Zu einem Trainingslager traf sich unser Frauenteam beim 1. FC Kaiserslautern. Im Nachwuchsleistungszentrum, dem NLZ, durften wir zwei Trainingseinheiten absolvieren. Besonders gefreut haben wir uns darüber, dass uns auch Spielerinnen der Frauenmannschaft des FCK an einem Trainingstag besuchten, uns kennenlernten und uns unterstützten.
Eine besondere Unterstützung war außerdem Sepp Stapel, ehemaliger Torwart des 1. FC Kaiserslautern. Seine Anwesenheit und seine große Wertschätzung für unser Projekt haben uns sehr motiviert. Unser besonderer Dank gilt auch Dirk Walter, dem Leiter des NLZ, der dieses Trainingslager überhaupt möglich gemacht hat.
Da unsere Spielerinnen aus ganz Deutschland kommen, war es natürlich nicht möglich, regelmäßig gemeinsam zu trainieren. Unser Bundestrainer Marius Schäfer hatte deshalb für uns die Leitlinie „Road to Frankfurt“ entwickelt. Mit verschiedenen Aufgaben für zu Hause konnten wir an unseren fußballerischen Fähigkeiten arbeiten und uns individuell auf die Weltmeisterschaft vorbereiten.
Viele von uns kommen ursprünglich gar nicht aus dem Fußball. Umso bemerkenswerter ist es, was innerhalb dieser kurzen Zeit entstanden ist. Für uns war es wichtig, gerade als Gastgeberland eine Damenmannschaft auf die Beine zu stellen und damit ein Zeichen für den Frauenfußball im Transplantationssport zu setzen.
Denn hinter diesem Turnier steckt viel mehr als Fußball.
Uns alle verbindet ein schweres Schicksal. Wir sind transplantiert und haben uns nach teilweise sehr schwierigen Zeiten zurück ins Leben gekämpft. Eine Organspende hat uns eine zweite Chance geschenkt. Mit unserer Teilnahme wollten wir zeigen, was nach einer Transplantation möglich ist.
Wir stehen für Hoffnung, Resilienz, Lebensmut und Lebensfreude.
Und genau diese Freude und Euphorie haben wir während der gesamten Weltmeisterschaft gespürt.
Unser erstes Spiel gegen Australien konnten wir mit 4:2 gewinnen. Im zweiten Spiel mussten wir uns Großbritannien und Nordirland mit 2:3 knapp geschlagen geben. Im letzten Spiel trafen wir auf Team United und verloren mit 0:6 gegen eine ausgesprochen starke Mannschaft mit hervorragenden Individualspielerinnen.
Doch die Ergebnisse waren für uns nicht das Wichtigste. Wir hatten etwas geschafft, das zuvor noch niemand geschafft hatte: Wir hatten eine deutsche Frauenmannschaft für eine Fußballweltmeisterschaft für Transplantierte aufgestellt – und wir waren gemeinsam auf dem Platz.
Was dieses Team besonders gemacht hat, waren die Menschen dahinter. Wir waren 14 Frauen, die teilweise noch nie miteinander trainiert hatten und trotzdem innerhalb kürzester Zeit zu einer Mannschaft wurden. Jede von uns brachte ihre eigenen Stärken, Erfahrungen und Geschichten mit. Zusammen haben wir etwas Tolles auf die Beine gestellt.
Vor allem haben wir die gemeinsame Zeit gefeiert. Wir hatten schon im Vorfeld eine unglaublich schöne Zeit miteinander und konnten auch während der Weltmeisterschaft viele besondere Momente erleben. Es war großartig, diese Tage gemeinsam zu verbringen, miteinander zu lachen, zu kämpfen, sich gegenseitig anzufeuern und einfach das Leben zu genießen.
Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich Teil dieses Teams sein durfte und unsere Mannschaft als Kapitänin auf das Spielfeld führen durfte. Wir können stolz auf das sein, was wir gemeinsam erreicht haben.
Und eines steht für uns fest: Das war nicht das letzte Mal, dass wir im Frauenfußball für Transplantierte aktiv waren.
Diese Weltmeisterschaft war unser Startschuss. Wir hoffen, dass sich künftig noch viele weitere transplantierte Frauen unserem Team anschließen. Gemeinsam möchten wir den Frauenfußball im Transplantationssport weiterentwickeln, weitere Spielerinnen gewinnen und zeigen, dass nach einer Transplantation vieles möglich ist.
Denn letztendlich geht es nicht nur um Tore und Ergebnisse. Es geht um zweite Chancen, um Gemeinschaft, um Lebensfreude – und um die Botschaft:
Das Leben geht weiter. Und manchmal beginnt nach einer Transplantation ein ganz neues Kapitel.
Gewonnen hat das Team United.
Text und Bilder: Sandra Hügelschäfer
Lebertransplantierte Deutschland e.V.
Montag - Freitag 9:00 bis 13:00 Uhr
Telefon: 02302/1798991
Fax: 02302/1798992
Sie möchten Mitglied werden?
Hier gehts zur Beitrittserklärung
Sie möchten unsere Arbeit unterstützen?
Hier können Sie spenden