Gesundheitsministerin Sabine Bätzing- Lichtenthäler (Rheinland-Pfalz) plädiert für eine „Kultur für Organspende“

Infoveranstaltung Organspende, 26.6.19 im Betzdorfer Rathaus

Das Land Rheinland-Pfalz möchte auch dazu beitragen, dass mehr Menschen sich zu einer Organspende entscheiden. Deshalb lud die Rheinland-Pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing- Lichtenthäler zu einer Infoveranstaltung in ihre Wahlheimat, ins Betzdorfer Rathaus, ein.

Frau Bätzing- Lichtenthäler begrüßte alle Anwesenden und wies auf die Wichtigkeit des Themas hin, das z.Zt. wegen der Diskussion um die Widerspruchslösung durch alle Medien geht.
Zunächst stellte Sonja Roos, Redakteurin der Rhein-Zeitung, ihr erstes Buch vor mit dem Titel „ Für immer und ein Vierteljahr“ und las einige Passagen vor: Die Geschichte handelt von einem Schicksalsschlag und einer verloren geglaubter Liebe.

Marc Karmann will nur eins: Sein verkorkstes Leben in den Griff kriegen. Dazu gehört auch, endlich einen Schlussstrich unter seine Ehe mit der reichen, schönen, aber unnahbaren Jana zu ziehen. Die beiden haben sich nichts mehr zu sagen und auch an Sohn Julius kommt Marc nicht mehr heran. Jana willigt in eine Scheidung ein, jedoch nur unter einer Bedingung: Marc soll für ein Vierteljahr zu ihr zurückkehren, sich um den renitenten Teenager kümmern und – sie auf Händen tragen. Und zwar wörtlich, denn Jana verlangt, dass Marc sie morgens und abends die Treppe herunter- beziehungsweise hochträgt. Bald findet Marc heraus, dass seine Frau gute Gründe für dieses merkwürdige Arrangement hat. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, den Jana bereits aufgegeben zu haben scheint und bei dem Marc einmal mehr Gefahr läuft, alles zu verlieren, was ihm am Herzen liegt. Erst jetzt erfahren wir, dass seine „Noch Ehefrau“ dringend ein neues Herz benötigt. Eine dramatische Geschichte mit Happy-end.

Anschließend erläuterte Frau Bätzing-Lichtenthäler die wichtigsten Neuerungen des Bundesgesetzes zur Verbesserung der Zusammenarbeit und Struktur bei der Organspende.

Eine BZgA-Studie von 2016 zeige, dass 81% der deutschen Bevölkerung der Organspende positiv gegenüber stehen, aber nur 39% hätten die Entscheidung dokumentiert. Hauptgrund für eine fehlende Entscheidung sei lt. Studie, die Auseinandersetzung mit dem Thema. 42% der Befragten hätten den Wunsch nach mehr Informationen, insbesondere junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren.

Die Gesundheitsministerin wies noch auf die gesetzlichen Weichen hin, die sich Rheinland-Pfalz für mehr Organspenden, gestellt hat:

  • Qualifikation der Transplantationsbeauftragten (TxB) mit Fortbildung des Curriculums der Bundesärztekammer
  • Benennung von Pflegepersonal mit Fortbildung des Curriculums der Bundesärztekammer als TxB für Aufgaben ohne ausdrücklichen Arztvorbehalt
  • Angehörigenbetreuung gesetzlich geregelt
  • Regelmäßige und durch Kliniken finanzierte Fortbildungen der TxB (alle 2 Jahre)

Als Daueraufgaben nannte die Ministerin die Evaluation der Umsetzungsprozesse der Gesetze in den Kliniken und die Aufklärung/ Sensibilisierung der Bevölkerung.

Das gemeinsame Ziel sei: eine „Kultur für Organspende“ schaffen.

Frau PD Dr. Ana Paula Barreiros, Geschäftsführende Ärztin der DSO-Mitte, referierte zum sehr interessanten Thema „ Organspende in Europa – Konzepte und Unterschiede“.

Anhand einer Tabelle zeigte sie die Organspendezahlen in Europa, in der Deutschland das Schlusslicht bildet. Ein Grund, dass andere Länder mehr Organspenden haben, seien die Organe von DCD, die hier in Deutschland nicht transplantiert werden dürfen.

( DCD bedeutet die Regelung von "Donation after cardiac death" - früher "Non-heart-beating donation" (NHBD), engl. Nicht-Herz schlagen Spender genannt. DCD wurde Ende der 1970er Jahre eingeführt, um neben Hirntoten auch einer weiteren Gruppe Menschen Organe entnehmen zu können. Dem deutschen Transplantationsgesetz (TPG) zufolge dürfen Herztoten nur dann Organe entnommen werden, wenn der Hirntod eindeutig festgestellt worden ist oder wenn seit dem Herzstillstand mindestens drei Stunden vergangen sind. Um den chronischen Mangel von Spenderorganen einzudämmen, empfehlen einige Transplantionsmediziner, den Zeitpunkt der Organentnahme deutlich vorzuverlegen – so wie es in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Spanien, Belgien und den USA bereits möglich ist.
Dort kann mit der Organentnahme zehn Minuten nach den Nulllinien-EKG begonnen werden, ohne dass vorab der Hirntod festgestellt worden sein muss)

Quelle: www.organspende-wiki.de

In den Niederlanden besteht seit 2018 die Widerspruchslösung. Die Regelung setzt auf dem bestehenden Spendenregister auf:

  • Derzeit sind 6,125 Millionen Niederländer registriert (17 Mill. Einwohner)
  • 60% Zustimmung, 28% Ablehnung, 11,5% Entscheidung übertragen

Bis zur Umsetzung des Gesetzes

  • Alle Niederländer, die noch nicht registriert sind, werden angeschrieben, mit der Bitte sich bzgl. Der Organspende zu entscheiden
  • Wenn keine Antwort innerhalb von 6 Wochen – erneutes Anschreiben
  • Wenn wieder erneut keine Antwort- innerhalb von 6 Wochen Deutung als „kein Widerspruch zur Organspende“ 
  • Schriftliche Information des Betroffenen, dass er auf diese Weise im Register geführt wird.
  • Zukünftig kontinuierlich entsprechendes Vorgehen bei allen Niederländern, die 18 Jahre alt werden.
  • Der Eintrag ins Register kann jederzeit geändert werden (online/schriftlich)

Detaillierte Regelungen zur Einbeziehung der Angehörigen im Falle sollen noch entwickelt werden, insbesondere bei „kein Widerspruch zur Organspende“.

Um in Deutschland mehr Organspenden zu erzielen, seien folgende Strategieänderungen eine Chance:

  • Gesetzliche Änderung 2012 zur „Entscheidungslösung“. Hatte keinen Effekt (sogar Gegenteil!)
  • Starkes politisches und gesellschaftliches Signal, bei breiter gesellschaftlicher Unterstützung. „Kultur der Organspende“
  • Umsetzung des Patientenwillens und Entlastung der Angehörigen – insbesondere, wenn ein System gewählt wird, dass die Patientenautonomie in den Vordergrund stellt.
  • Effekt auf Krankenhäuser: das Denken an die Möglichkeit einer Organspende im Rahmen der Behandlung am Lebensende wird zur Selbstverständlichkeit.

Anschließend stellte Frau Bätzing-Lichtenthäler Frau Mariele Höhn vor, seit über 28 Jahren lebertransplantiert und u.a. Ansprechpartnerin des Westerwaldkreises von LD e.V. Mariele Höhn berichtete kurz über die Ursache ihrer Transplantation, einer „Primär sklerosierenden Cholangitis“ (PSC) und dass sie auch einen Ausweis besitzt. Außerdem erzählte sie über ihre Arbeit im Selbsthilfeverband Lebertransplantierte Deutschland und dass ihr Verband sich auch für Organspende einsetze. Zusammen mit anderen Betroffenen gehe sie auch in Schulen, um über das Thema Organspende zu informieren und dass dies von den jungen Menschen sehr gut angenommen würde.

Zum Schluss konnte man allen „Experten“ Fragen stellen. Auch Georg Minde, seit 7 Jahren lebertransplantiert, nahm daran teil.

Frau Höhn stellte am Ende noch mal klar, dass sie und Herr Minde ohne Organspende nicht hier sitzen würden. Dafür seien sie ihren Spendern und deren Angehörigen immer dankbar und könnten 2 mal im Jahr Geburtstag feiern. Deshalb sei es so wichtig über Organspende zu sprechen und zu informieren.

Einen herzlichen Dank an Frau Bätzing-Lichtenthäler, dass sie sich dem Thema angenommen hat und sich dafür einsetzt.

Text: Mariele Höhn / Fotos: G. Minde und Andreas Hundhausen

Von lks: Sonja Roos, Dr. Barreiros, Bätzing-Lichtenthäler, Mariele Höhn, Georg Minde

Von lks: Sonja Roos, Dr. Barreiros, Bätzing-Lichtenthäler, Mariele Höhn, Georg Minde

Gesundheitsministerin Sabine Bätzing- Lichtenthäler

Gesundheitsministerin Sabine Bätzing- Lichtenthäler

Kontakt

Lebertransplantierte Deutschland e.V.
Montag - Donnerstag 10:00 bis 15:00 Uhr 

Telefon: 02302/1798991
Fax: 02302/1798992

E-Mail: geschaeftsstelle(at)lebertransplantation.de

Mitmachen - Mithelfen

Sie möchten Mitglied werden?
Hier gehts zur Beitrittserklärung

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen?
Hier können Sie spenden

Mein Ausweis meine Entscheidung