Arzt-Patienten-Seminar in Heidelberg

Lebertransplantierte Deutschland e.V. (LD e.V.) und das Lebertransplantationszentrum Heidelberg hatten eingeladen und über 120 Teilnehmer füllten am 20.7.2019 zum 27. Mal den Hörsaal.
Schon 1992 -im Jahr vor der Vereinsgründung- hatten Patienten in Vorbereitung auf die Gründung einer Selbsthilfegruppe zum ersten Mal gemeinsam mit dem Transplantationszentrum Heidelberg zu einem solchen Seminar eingeladen, schon damals mit dem Ziel Betroffene möglichst gut zu informieren. Die nach wie vor gute Beteiligung zeigt uns, dass das Interesse der Transplantierten, Wartepatienten und Angehörigen nicht nachlässt Neues über Themen rund um die Organspende und Transplantation zu hören.

Prof. Dr. Arianeb Mehrabi, Leiter der Viszeralen Transplantationschirurgie und Leberchirurgie berichtete über die Neuerungen bzgl. der Lebertransplantation in Heidelberg. Er erläuterte die Umstrukturierungen im Bereich Lebertransplantation. Die Chirurgische und die Medizinische Abteilung arbeiten nun enger zusammen. Eingeleitete Maßnahmen sind z.B. die Reduktion der Schnittstellen und die Zusammenführung der Patientenversorgung rund um die Lebertransplantation (perioperativ). Diese beinhaltet auch, dass der Patient auch nach der Lebertransplantation auf der Chirurgie verbleit, jedoch eine permanente Verfügbarkeit von Hepatologen gegeben ist. Der Patient wird vor und nach der Transplantation von dem „Interdisziplinären TPL-Team“ betreut. Dieses besteht aus Vertretern der Chirurgie, Hepatologie, Anästhesie und der Intensivmedizin betreut. Alle haben volle Weisungsbefugnis.

Ein wichtiges Ziel der Universitätsklinik Heidelberg war die Zertifizierung nach DIN ISO 9001:2015 (Qualitätsmanagementnorm; hierfür legt der Gemeinsame Bundesausschuss die Richtlinien fest) der Sektion Viszerale Transplantationschirurgie in der Chirurgischen Klinik und der Sektion Lebertransplantation in der Inneren Medizin. Dies ist ein wichtiger Schritt vor dem Umzug in die Neue Chirurgische Klinik. Das Zertifizierungsaudit wurde am 10. Juli 2019 erfolgreich durchgeführt.

Prof. Mehrabi wies noch auf drei Qualitätsindikatoren hin: 2018 konnten in Heidelberg folgende Ergebnisse erreicht werden: Sterblichkeit im Krankenhaus von 0%, die rel. postoperative Verweildauer von 15,9 % und das 1-Jahres-Überleben von 94,6%. In allen drei Bereichen liegt das Uniklinik Heidelberg also in einem sehr guten Bereich. Dies liegt auch daran, dass für die Aufnahme auf die Warteliste genau geprüft wird, ob eine Transplantation für den einzelnen Patienten die am besten geeignete und erfolgversprechende Maßnahme darstellt. Weiterhin werden Organe, die nach Heidelberg vermittelt werden, einer sorgfältigen Qualitätsprüfung unterzogen und die Ärzte stellen genau fest, ob das angebotene Organ für den von Eurotransplant ausgewählten Patienten für eine erfolgreiche Transplantation gut geeignet ist. Passt das nicht gut, wird das Organ durch Eurotransplant an einen anderen geeigneteren Patienten weitervermittelt.

Prof. Dr. Martin Zeier, Dirketor des Nierenzentrums Heidelberg erklärt warum Patienten vor und nach der Lebertransplantation immer auch potenzielle Nieren- und auch Bluthochdruck – und Diabetespatienten sein können. Die Zusamamenfassung finden sie hier..

Dr. Daniel Hornuß von der medizinischen Klinik sprach über die Bedeutung der Leberwerte und beleuchtete Aspekte der Nachsorge. Leberwerterhöungen können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Er erklärte, dass die Werte GOT und GPT direkte Hinweise auf die Leberzellen, Bilirubin, gGT und AP auf die Gallengänge und Quickwert und Albumin auf die Leberfunktion geben. Für einen schnellen Routineüberblick reichen deshalb erst mal die Bestimmung von GOT, Bilirubin und Quickwert aus. Finden sich hier Unregelmäßigkeiten, werden die anderen Leberwerte ebenfalls bestimmt und ggf. eine weitere Differentialdiagnostik und Bildgebung angeschlossen, um bestimmte Lebererkrankungen endgültig zu diagnostizieren oder bestimmte Probleme näher zu definieren. Postoperativ muss hier an andere Aspekte (z.B. Pilzinfektionen, CMV, akute Abstoßung, Gefäß- und biliäre Komplikationen) gedacht werden als im Langzeitverlauf (z. B. Folgen der Immunsuppression, metabolisches Syndrom, RezidivWiederaufflammen der Erkrankung, hier also Neuentstehung eines Tumors. d. Grunderkrankung) Eine Aktivierung einer CMV-Infektion kann auch nach vielen Jahren und wiederholt auftreten. Deshalb sollte der entsprechende Laborwert (CMV-PCR) auch Gegenstand der Kontrolluntersuchungen sein. Er gab den Zuhörern den wichtigen Rat mit, die Kontrolluntersuchungen mit Laborwerten und Duplex-Sonographie ernst zu nehmen und bei raschen Anstiegen der Werte umgehend mit dem LTx-Zentrum Kontakt aufzunehmen.

Josef Theiss, Mitglied des Vorstands ist seit über 25 Jahren lebertransplantiert und ebenso lange aktiv und ehrenamtlich für Patientenverein LD e.V. tätig. Er sprach darüber, welche Stütze ihm und seiner Frau in schwerer Zeit damals Mitglieder des Vereins gewesen sind, wie sie ihm Mut gegeben haben durchzuhalten und wie wichtig die zusätzlichen Informationen von Betroffenen für Betroffene für ihn gewesen sind. Er appellierte an die Zuhörer aus Solidarität und auch weil jeder von einer Mitgliedschaft profitiert, sich dem Verein anzuschließen.

Er nahm sich auch einem Fachthema aus der Organspende an: Wie wichtig ist eine Formulierung über den Willen zur Organspende in der Patientenverfügung

Denn bei schweren Erkrankungen und bei Unfällen wird von den Kliniken immer nach einer Patientenverfügung gefragt, nicht aber nach einem Organspendeausweis. Auch wenn bei infauster Prognose klar ist, dass auch ein Organspendeausweis vorliegt, kann es sein, dass sein Inhalt und die vorliegende Patientenverfügung nicht gewollte, widersprüchliche Aussagen enthalten, was zu Unsicherheiten führt. Eine Abklärung der Organspendebereitschaft unterbleibt dann meist. Nach einer Erhebung der BzgA in 2017/18 ist nur in 3% der Patientenverfügungen eine Erklärung zur Organspende enthalten. Dies bedeutet, dass bei allen Aufklärungsgesprächen und in der Öffentlichkeitsarbeit dieser Zusammenhang angesprochen werden muss. Josef Theiss verwies auf die „Christliche Patientenverfügung“ und auf die des Bundesministeriums für Justiz, die beide den Bereich Organspende abdecken. Für ältere Patientenverfügungen könne auch der bei LD e.V. vorliegende Aufkleber genutzt werden.

Zum Abschluss erläuterte Jutta Riemer, Vorsitzende des Verbandes, die immens wichtigen Neuerungen, die das am 1. April 2019 in Kraft getretene Gesetz für bessere Strukturen und bessere Zusammenarbeit in der Organspende (GZSO) festschreibt (s.Lebenslinien 19/2; S. 2 ff.) Der begleitende Initiativplan der DSO, an dem auch LD e.V. mitgewirkt hat, soll die Umsetzung der gesetzlichen Regelungen flankieren. Riemer betonte, dass es nun an den Ländern, Ärztekammern und Entnahmekliniken liege, dieses Gesetz mit Leben zu erfüllen und nicht durch Verzögern und Zaudern die Arbeit des Gesetzgebers und der Initiativplanautoren als ein Werk letztendlich für den Papierkorb zu degradieren. Vorteile und Nachteile der von Minister Spahn propagierten Widerspruchsregelung und dem Gegenvorschlag seitens der Abgeordneten Baerbock (s. Lebenslinien 19/2, S.5) wurden dargestellt und diskutiert. Alle sind gespannt, welche Lösung künftig gelten wird.

Text: Jutta Riemer, Andrea Sebastian
Bilder: Josef Theiss und Andrea Sebastian

 

Andrea Sebastian, Ansprechpartnerin für Heidelberg

Andrea Sebastian, Ansprechpartnerin für Heidelberg

Prof. Dr. Arianeb Mehrabi, Leiter der Viszeralen Transplatationschirurgie und Leberchirurgie

Prof. Dr. Arianeb Mehrabi, Leiter der Viszeralen Transplatationschirurgie und Leberchirurgie

Prof. Dr. Martin Zeier, Direktor des Nierenzentrums Heidelberg

Prof. Dr. Martin Zeier, Direktor des Nierenzentrums Heidelberg

Dr. Daniel Hornuß von der Medizinischen Klink Heidelberg

Dr. Daniel Hornuß von der Medizinischen Klink Heidelberg

Prof. Dr. Zeier und Hr. Dieter Eipl (Transplantationskoordinator)

Prof. Dr. Zeier und Hr. Dieter Eipl (Transplantationskoordinator)

Josef Theiss, Mitglied im Vorstand

Josef Theiss, Mitglied im Vorstand

Jutta Riemer, 1. Vorsitzende des Vereins Lebertransplantierte Deutschland e.V.

Jutta Riemer, 1. Vorsitzende des Vereins Lebertransplantierte Deutschland e.V.

Blick in den gefüllten Hörsaal der Chirurgie

Blick in den gefüllten Hörsaal der Chirurgie

Kontakt

Lebertransplantierte Deutschland e.V.
Montag - Donnerstag 10:00 bis 15:00 Uhr 

Telefon: 02302/1798991
Fax: 02302/1798992

E-Mail: geschaeftsstelle(at)lebertransplantation.de

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