Erfolgreiches Patientenseminar im November 2017 in Hamburg

Unser 12. Patientenseminar, das am 5. November 2017 erneut in den Räumlichkeiten der Christus Gemeinde in Hamburg-Othmarschen stattfand, war ein voller Erfolg – so äußerten sich viele Teilnehmer, die wir gefragt haben oder es auch von selbst anmerkten.

Dies lag im Wesentlichen an den sehr guten Referaten von Frau Dr. Mirriam Prieß, Prof. Michael Amling und Prof. Jürgen Steinhoff. Die drei Referenten waren mit ihren Vorträgen von den beiden eng kooperierenden Veranstaltern, den Vereinen Nieren Selbsthilfe e.V. und Lebertransplantierte Deutschland e.V. gemeinsam eingeladen worden.

Auch die große Besucherzahl von ca. 120 Teilnehmern trug zu einem gelungenen Seminar bei.

Gleiches galt für den Dankgottesdienst, der vor dem eigentlichen Seminar stattfand und erst in den letzten Tagen vor dem Veranstaltungssonntag zu einer ökumenischen Andacht komplettiert werden konnte.
So gestaltete neben der lokalen, evangelischen Pastorin Katharina Davis ihre katholische Kollegin, Pastoralreferentin Silke Meemken, den katholischen Part der Andacht. Etwa 100 der angemeldeten Seminarteilnehmer durften eine berührende und einfühlsame Einführung von Pastorin Davis und einer hervorragende, sehr gut auf die Organspende bezogene Predigt von Pastoralreferentin Meemken erleben.

Pastoralreferentin Silke Meemken (links) und Pastorin Katharina Davis (rechts)

Die bereits angesprochenen Referate des Seminars wurden allesamt sehr gut von der Referentin/den Referenten vorgetragen und waren für uns Betroffene in ihrer Thematik sehr passend. Es fällt schwer, hier ein Resümee zu schreiben, ohne nicht einige der vielen guten Aspekte zu vergessen. Daher findet der Leser, falls Nachfragebedarf besteht, am Ende des Artikels entsprechende Adressenhinweise.

Unser Eingangsreferat „Resilienz – Wie können wir lernen, Krisen besser zu bewältigen?” wurde von der durch Bücher, Schulungen und Seminare bekannten Diplompsychologin Frau Dr. Mirriam Prieß gehalten. Sie ist auf Krisenbewältigung und das Burnout-Syndrom spezialisiert.

Dipl.-Psych. Dr. Mirriam Prieß

Von ihrer Präsentation sollen hier nur 3 Folien inhaltlich wiedergeben werden:
1. Krisen brauchen immer den Dialog. Dieser benötigt immer 2 Teilnehmer, auch bei dem eigenen Dialog mit sich selbst.

2. Das Ich:
Interesse?
• Bin ich an dem anderen und seiner Position wirklich interessiert, oder nur daran, ihn von meiner Meinung zu überzeugen?
Offenheit?
• Bin ich offen für die Meinung des anderen und bereit, meine eigene Welt zu verlassen?
• Bin ich offen, für meine eigenen „blinden Flecke“, bereit, möglicherweise herauszufinden, dass ich mich geirrt habe?
• Verstehe ich den anderen nicht nur rational, sondern auch emotional?
Augenhöhe?
• Fühle ich mich dem anderen gegenüber klein? Blicke ich auf den anderen herab?
• Augenhöhe sich selbst (Stärken UND Schwächen) gegenüber?

Das Gegenüber, der Dialogpartner:
Empathie?
• Bin ich dazu in der Lage, mich auf den Platz des anderen zu setzen und (emotional und rational) nachzuvollziehen, wie er sich in der Situation fühlt?
Respekt? Wertschätzung?
• Kann ich den anderen respektieren und in seiner Person annehmen – fernab von seiner Position, dem Alter, dem Geschlecht, seinem Status, seiner Religion?

3. Das Selbstbewusstsein (= eigene Augenhöhe?)
Bin ich bereit und stark genug, die eigene Welt zu verlassen, ohne mich selbst zu verlieren?

Der innere Dialog ist Voraussetzung für den äußeren Dialog:
Wer mit sich selbst nicht im Gleichgewicht steht, kann der Umwelt kein starkes und standhaftes Gegenüber bieten.

So kann z.B. ein Kind mit einer sehr schlechten, belasteten Kindheit nichts mehr an seiner Vergangenheit ändern - es muss damit leben.
Aber es kann ab sofort neue Wege suchen und sich neue Ziele setzen - die Zukunft ändern.

Der 2. Referent, Prof. Dr. Michael Amling, trug dann in seinem Referat “Osteoporose nach Organtransplantation” in sehr eindrucksvoller Weise für alle Neues und Wichtiges zum Thema Knochen und Osteoporose vor.

 

Prof. Dr. Michael Amling


Seine humorvolle und teilweise witzige Vortragsweise trug dazu bei, dass alle Seminarteilnehmer ihm gerne zuhörten und Inhalte so auch leicht verstanden und vermittelt werden konnten:

1. Was wohl wenige wissen: die Knochen des Menschen sind immer nur maximal 6 Jahre alt (abgesehen von den Gehörknöchelchen). Sie bauen sich ab durch Osteoklasten und gleichzeitig wieder auf durch Osteoblasten, gesteuert von Osteozyten.
2. Wichtig ist, die aufbauenden Teile aktiv zu halten (Osteoblasten). Kleinkindern verabreicht man dazu Vitamin D, was fälschlicherweise nach 2 Jahren heute eingestellt wird - es solle weiterhin verabreicht und lebenslang, auch später von Erwachsenen bzw. Transplantierten, eingenommen werden, denn im Norden Europas reicht die Sonne nicht aus, um das für den Wiederaufbau der Knochen notwendige Vitamin D zu bilden.
3. Vier von fünf Knochenbrüchen sind vermeidbar:
Ein Teil davon ist dem Mangel an Calcium oder dem Abbau auf Grund von Magensäureblockern, sogenannten Protonenpumpenhemmern, auch Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) genannt, geschuldet. Sie stören die Calciumaufnahme und verursachen Osteoporose/Brüche.
Das dritte Referat “Wechsel- und Nebenwirkungen von Medikamenten bei Organtransplantation und Dialyse”, gehalten von dem Arzt und Pharmakologen Prof. Dr. med. Jürgen Steinhoff, beinhaltete ebenfalls eine große Anzahl wichtiger Empfehlungen.

 

Prof. Dr. Jürgen Steinhoff

Dazu zählten detaillierte Informationen zu:

1. Arztverschreibung und/oder Selbstmedikation – wo liegen die Gefahren?
- Niere und Autoregulation – Neben/Wechselwirkungen
- Kalium und Azidose
- Lakritz
- Magensäure-Hemmer – PPI
- Phosphat
- Gerinnungshemmer – Marcumar – NOAK
- Leber – Cytochrom P 450 – Cyp3A4

2. Wichtig für Dialysepatienten:
- auf Produkte aus Calcium und Phosphat (Multiplikation der Werte) achten!
- bei der Vorbereitung einer Koloskopie (Darmspiegelung) ist zu beachten, dass von 6 Mitteln, die es gibt, um den Darm zu entleeren, die Hälfte für Dialysepatienten ungeeignet ist, da diese in Ihrer Zusammensetzung auf Phosphaten basieren. Drei weitere sind unbedenklich.

3. Verboten für Tx-Patienten!
Hinlänglich bekannt ist, dass Grapefruit für Transplantierte verboten ist! Gleiches gilt für Lakritz und Johanniskraut!

In der Mittagspause, zwischen Andacht und Seminarbeginn, und zum Kaffee nach dem 2. Referat wurden wir gut durch den von uns beauftragten Caterer versorgt.
Mit einer nur kleinen Zeitzugabe konnte dieses lehrreiche und gut besuchte Patientenseminar gegen 17:00 Uhr zu Ende gehen.

Bericht von: Peter Stoetzer (Nierenselbsthilfe Hamburg e.V.) und Bernd Hüchtemann (Kontaktgruppe Hamburg Lebertransplantierte Deutschland e.V.)
Fotos: privat

Die Kontaktdaten der Referenten stehen als zum Herunterladen hier:

 

 

Kontakt

Lebertransplantierte Deutschland e.V.
Montag - Donnerstag 10:00 bis 15:00 Uhr 

Telefon: 02302/1798991
Fax: 02302/1798992

E-Mail: geschaeftsstelle(at)lebertransplantation.de

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