Gesundheitswoche in Hitzacker

Gesundheitswoche in Hitzacker (Elbe) vom 7. bis 14. Mai 2017
oder die „Reisegruppe Ketzner“ im Reich der Zwerge

Nun schon zum 17. Mal lockte uns eine Gesundheitswoche in die Ferne. Birgit rief und 48 Teilnehmer wollten das kleine Städtchen Hitzacker, das an der Jeetzel und der Elbe liegt, kennen lernen. Wir waren neugierig auf uns und das Wendland mit dem Elbauental.
Das Parkhotel sollte für sieben Tage unser Domizil werden. Ein 4-Sterne Hotel, das am Kurpark und mitten in der Natur lag. Nach einem tollen abendlichen Buffet trafen wir uns zur obligatorischen „Kennenlernrunde“. Birgit eröffnete den Abend und stellte drei neue Mitreisende vor. Cornelia Schubecker sowie Giesela und Georg Haller. Der Chef des Hauses Peter Wieczorek erzählte die neue Geschichte der Zwerge von Hitzacker, die es überall im Städtchen zu entdecken gab. Dann wurde ein „Oberzwerg“ gesucht und auf Ludwig als Bartträger fiel die Wahl. Er sollte auf unsere Gruppe acht geben, und das hat er gut gemacht, denn es gab keine Blessuren wie im vergangenen Jahr. Köpfe und Beine blieben heil.
Dieter gab Einblicke in die Arbeit des Vorstandes und wies auf das Jubiläum 2018, 25 Jahre Selbsthilfe, hin. Eine große Veranstaltung ist in Planung. Die Selbsthilfe Lebertransplantierter ist mit 1.451 Mitgliedern der größte Selbsthilfeverband für Transplantationspatienten Deutschlands.
Wir gedachten auch der Verstorbenen Walburga Schätzl und Bernhard Kühn.
Der Abend klang mit einem Kennenlernspiel, das von Karin vorgestellt wurde, aus.
Am Anreisetag empfing uns Sonnenschein, das sollte sich am nächsten Tag aber ändern.
Da waren wir plötzlich im Herbst gelandet. Bei naß-kaltem Wetter mit Nieselregen begaben wir uns mit den beiden Stadtführern auf eine erste Erkundungstour durch das liebliche Städtchen. Schöner wäre es bei Sonnenschein gewesen, aber ein Transplantierter ist auch bei schlechtem Wetter ein interessierter Zuhörer. So erfuhren wir, dass bereits hier um 650 eine Burg der Wenden erbaut wurde. Später errichteten die Slawen eine Weinbergsburg. Einen Weinberg gibt es noch heute. Der gekelterte Wein taugt aber nur als Werbegeschenk.
Schon im 12. Jahrhundert wurde die Sankt-Johannis-Kirche erbaut. Interessant war auch, dass Prinz Claus der Niederlande hier geboren wurde. Damals hieß er noch Klaus von Amsberg, und in Hitzacker wurde auch seine Verlobung mit Beatrix der Niederlande bekannt gegeben.
Hitzacker ist eine Stadtinsel mit sehr schönen Fachwerkhäusern. Viele von ihnen stehen unter Denkmalschutz. Durchnäßt und frierend liefen wir ins Hotel zurück und tranken Tee oder Grog und warteten auf unserer Mittagessen. Nachmittags war die Sauna sehr beliebt, man vertrieb sich die Zeit beim Kartenspiel oder ging ins Schwimmbad. Abends gab es dann einen interessanten Vortrag von dem Leiter des Parkhotel über Hitzacker und die Kunst und Kultur im Wendland.
Dienstag fuhren wir mit einem Reisebus in die wunderschöne Hansestadt Lüneburg und besichtigten bei Sonnenschein alle wichtigen Zeugen der mittelalterlichen Geschichte. Die erste urkundliche Erwähnung Lüneburgs datiert vom 13.August 956. Es gilt als sicher, dass zu dieser Zeit das Umland bereits besiedelt war. Frau Brigitte Austin und Herr Wolfgang Gietz führten uns durch diese geschichtsträchtige Stadt. Das Salz und der Hafen haben Lüneburg reich gemacht. Imposant ist auch das alte Rathaus. Es ist 111 Meter lang und Baubeginn war 1230. Dann wurde 500 Jahre lang daran gebaut, und es vereint nun Baustile von Gotik über Renaissance bis Barock. Noch vieles Wissenswerte erfuhren wir. Zum Beispiel dass die Ilmenau schiffbar war und im Mittelalter 1.000 Schiffe im Jahr den Hafen passierten. Nach der Stadtführung ging es zum Mittagessen in das Gasthaus „Zur Krone“.
Ein sehr altes Haus, das 1485 als Brauerei erbaut wurde, empfing uns. Die große Diele war für uns reserviert. In diesem schönen Ambiente ließen wir uns das Essen schmecken.
Danach gab es Gelegenheit, das Salzmuseum, den Wasserturm oder eine der alten Kirchen zu besuchen. Die Rückfahrt war noch sehr interessant, denn auf Anraten von Franz fuhren wir an dem neuesten Bauwerk Lüneburgs vorbei, dem Universitätsgebäude „Leuphana“.Es wurde von dem berühmten amerikanischen Architekten Daniel Liebeskind entworfen. Kürzlich wurde dieses eigenwillige Bauwerk eingeweiht. Es befindet sich mitten in einem Wohngebiet. Dieses futuristische Gebilde aus Glas und Beton wirkt hier etwas befremdlich. Was sagte Ludwig dazu: “Sieht aus wie ein notgelandetes Raumschiff“. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, außer, dass alles Geschmackssache ist.
Auf der Elbuferstraße fuhren wir zurück nach Hitzacker und ein erlebnisreicher Tag ging zu Ende.
Auch der Mittwoch war wieder voll von Aktivitäten. Eine Besichtigung der Elbphilharmonie in Hamburg stand auf dem Plan. Die begehrten Karten (es gab nur 7) hatte unser „Oberzwerg“ Ludwig gezogen. Auch das Miniaturwunderland (Gerda und Alfred),die Besichtigung des ältesten Wahrzeichen der Stadt, den „Michel„ und eine Hafenrundfahrt (Monika F.) gehörten in der Hansestadt dazu. Andere von unserer Gruppe fuhren ins Umland, so zum Schiffshebewerk Scharnebeck oder nach Bleckede. Für einige hieß das Ziel Dömitz. Hier tranken wir im alten Speicher gemütlich Kaffee. Dabei konnte man eine tolle Aussicht genießen. Auf der Rücktour wurde noch Rüterberg besucht. Dieses ehemalige Grenzdörfchen machte während der Wende als „Dorfrepublik“ von sich reden. Die Menschen lebten hier zu DDR-Zeiten vollkommen abgeschottet und wurden nach 22 Uhr eingeschlossen. Sie waren praktisch zweimal eingesperrt und das von 1967 bis 1989. Ein Dorfbewohner erzählte uns, wie sein Vater mit anderen Bewohnern die Republik ausrief. Die Menschen wollten ohne Kontrollen einfach in den Rest der Republik reisen. Das wurde ihnen aber 22 Jahre lang verwehrt.
Die Rüterberger haben sich vielleicht gerade deswegen ihre kleine Idylle geschaffen. Wir haben selten ein so sauberes und liebliches Dorf gesehen. Riesige, uralte Fliederbüsche stehen im Ort verteilt, überall ist es aufgeräumt und wunderschöne Hausgärten zeugen von der Liebe zum Detail der Bewohner. Vom Aussichtsturm hat man einen grandiosen Blick über die Elbmarsch.
Eine besondere Tour hatte Elke organisiert. Wir fuhren mit dem „Sofafloß“ auf Jeetzel und Elbe. Der Kapitän Eckard Witte lud uns auf sein Schiff „Herzogin Dorothea“ ein. Elf Personen, mehr waren nicht erlaubt, gingen auf „große Fahrt“.
Eckard Witte wußte viele interessante Fakten die Elbe betreffend, zu erzählen. So ging es um den Buhnenbau, die Sandbänke im Fluß, die Fließgeschwindigkeit und vieles mehr. Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch in der Biberbucht. Abgenagte oder vom Biberfraß gefällte Bäume und den Biberbau sahen wir, aber Familie Biber zeigte uns die kalte Schulter. Auf der Rückfahrt ließen wir uns mit dem Strom treiben. Das war besonders schön, denn man konnte sehr verschiedene Gänsearten am Ufer beobachten, und Gabi unsere Hobby- Ornithologin machte uns auf Details aufmerksam, die unseren Blicken sonst entgangen wären.
Wie bei jeder Gesundheitswoche gab es einen interessanten Vortrag. In diesem Jahr ging es um die Ernährung vor und nach der Transplantation. Den Vortrag hielt Frau Petra Kuhlemann-Bonn. Sie ist Lehrerin für Gesundheitsfachberufe und Diätassistentin an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf. Wir waren doch sehr erstaunt, dass sich vieles in der Ernährung vor LTX geändert hat. Statt Eiweiß „grammweise“ zu zählen, setzt man heute auf eiweißreiche Kost. Auch risikoarme Ernährung muß nur noch ein Jahr eingehalten werden, danach sind Schimmelkäse und Co. erlaubt. Das ließ uns doch etwas sprachlos zurück. Jeder sollte für sich entscheiden, wie er nach der Transplantation lebt und seinen individuellen Weg findet. Eine rege Diskussion schloß sich an, bei der Frauke auf die Nebenwirkungen von Pantoprazol hinwies, Cornelia interessierte, wie man die Nieren ob der vielen Medikamente zusätzlich schützen kann, Birgit fragte nach der Ernährung bei Reizdarm und Toni hatte nur eine Frage: “Darf ich bei 100 kg Gewicht 3.500kcal am Tag zu mir nehmen, ohne dass meine Mia mit mir schimpft?“ Das Resümee von Georg: “Ich esse, was kommt, da bin ich immer gut gefahren“. Der Vortrag von Petra Kuhlemann-Bonn war sehr informativ und Birgit bedankte sich mit einem Geschenk bei ihr und lud sie zum Essen ein.
Unsere sportlichsten Teilnehmer Karin und Dieter, Regina und Frieder, Regine und Ludwig , Alfred und Dirk radelten an der Elbe nach Damnatz. Andere machten Ausflüge in die Umgebung, dabei wurden Fahrgemeinschaften gebildet, die vorher abgesprochen wurden.
So vergingen bei schönem, aber kühlem Wetter, abwechslungsreiche Tage. Cilly bot abends einen Bridge-Kurs an, eine sehr schwierige Sache und eigentlich ein Kartenspiel für vornehme englische Damen. Cilly meinte dazu: “Bridge ist Schach mit Karten“. Mia, Cornelia, Frauke und Monika gefiel das Spiel gut. Ich bin vorzeitig gegangen.
Geschehnisse und Kuriositäten am Rande: Andreas und Franz hatten das gleiche Hemd von einem namhaften Hersteller an, im Schwimmbad gab es Klatsch und Tratsch am Beckenrand, Cornelia rettete beim Frühstück einen Maikäfer, ich trug ihn hinaus, da fragt Siggi, ob ich ihn in der Küche für die ländliche Kartoffelsuppe abgeben habe. Einziger Gast der Kunsthalle OKTOGON war Cornelia. Die Installation „Spiegel im Spiegel“ war wohl für besondere Kunstkenner gedacht. In diesem Jahr waren drei Monikas mit von der Partie, da mußte man aufpassen, dass es zu keinen Verwechslungen kam. Auch Andreas und Franz wurden wieder ein Jahr älter. Beiden brachten wir ein Ständchen und es gab ein kleines Geschenk von Birgit
Die Zeit verging wie im Flug und schon war der letzte Tag angebrochen. Nach einem reichhaltigen Frühstück machten wir uns mit Herrn Heino Ripke auf eine Wanderung. Zwischen 5 und 10 Kilometern konnten wir wählen. Es ging durch Hitzacker am Sperrwerk an der Jeetzel, das nach dem unsäglichen Hochwasser 2002 gebaut wurde, vorbei an die Elbe. Hier gab es interessante Ein- und Ausblicke. Gabi machte uns auf seltene Pflanzen am Wegesrand aufmerksam und erklärte die verschiedenen Vogelstimmen. Der Weg führte auch durch eine schönes hügeliges Waldgebiet. Einige von uns verabschiedeten sich am Hotel, andere gingen die ganze Runde. Auf jeden Fall hatte Heino Ripke eine interessante Tour ausgesucht.
Nachmittags fuhren, von Karin organisiert, nochmals einige von uns mit einem anderen „Sofafloß“. Gemütlich bei Kaffee und Kuchen schipperten sie auf der Elbe.
Abends trafen wir uns zur Abschlußrunde. Herr Peter Wieczorek erzählte wieder etwas von den „Hitzackerzwergen“ Wahrscheinlich wurden sie zu PR-Zwecken aus der Unterwelt zurückgeholt. Birgit war froh, dass es in diesem Jahr keine Verletzungen gab. Es war wieder eine tolle Gesundheitswoche. Wie sagte Gabi: “ Birgit, du hast alles richtig gemacht, Hotel prima, Essen gut und eine abwechslungsreiche Umgebung.“ Unsere neuen Mitglieder sahen es ähnlich, Cornelia, Giesela und Georg hatten anfänglich Probleme mit der Größe der Gruppe. Sie mußten sich erst „reinfinden“, vor allem an die Lautstärke unserer Truppe mußte sich besonders Cornelia gewöhnen. Lara, Egberts Hündin, hatte ein ganz anderes Erlebnis, sie hörte zum ersten mal so ein vielfältiges Vogelgezwitscher. Uns ging es da nicht anders. Eine beeindruckende Anzahl von Vogelstimmen sorgte für frühes Aufstehen.
Mit einem großen Dankeschön übergab Anne ein Geschenk, das sie sehr dekorativ in einem Korb drapiert hatte, von uns an Birgit. Es war eine Anleitung zum Malen im Freien. Kultstatus haben inzwischen die gesponserten Säfte aus der Kelterei von Ursel und Andreas. In diesem Jahr war Apfel-Aronia der Renner. Lieben Dank euch beiden. Natürlich fehlte der Transplantierten-Chor unter der bewährten Leitung von Lioba nicht. In diesem Jahr wurden sogar Weisen im Dialekt intoniert.
Im kommenden Jahr geht es in das Park-Hotel nach Bad Waldliesborn. Die Idee kam von Siegfried und Renate aus Kiel. Sie waren dort schon Gäste, und ihnen gefiel besonders die familiäre Atmosphäre. Wir sind gespannt und freuen uns auf ein Wiedersehen im Lipperland.


Christine Berning

Oberzwerg Ludwig

Oberzwerg Ludwig

Radtour nach Damnatz

Radtour nach Damnatz

Sofaflossfahrt

Sofaflossfahrt

Arbeit eines Bibers

Arbeit eines Bibers

Rathaus Lüneburg

Rathaus Lüneburg

Zwerg Schmied

Zwerg Schmied

Kontakt

Lebertransplantierte Deutschland e.V.
Montag - Donnerstag 10:00 bis 15:00 Uhr 

Telefon: 02302/1798991
Fax: 02302/1798992

E-Mail: geschaeftsstelle(at)lebertransplantation.de

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