Welthepatitistag 2020 - Neues zu Virushepatitis B, C und E

Zum Welt‐Hepatitis‐Tag am 28. Juli 2020

Am 28. Juli 2020 war Welt-Hepatitis-Tag. Er stand erneut unter dem Motto: „Hepatitis: Findet die fehlenden Millionen!“ Lt. WHO sind schätzungsweise an die 330 Millionen Menschen weltweit von einer chronischen Hepatitis B oder C betroffen. Unentdeckt verlaufen diese oft lange Zeit fast symptomlos verlaufen können dann aber zu tödlichen Spätfolgen (Zirrhose und Leberkrebs) führen. Erkannt kann die Hepatitis B in den meisten Fällen kontrolliert und die Hepatitis C geheilt werden. Deshalb ist es wichtig die „Stumm Infizierten“ zu finden, um Schlimmes zu vermeiden. Informationen zum Welt-Hepatitis-Tag finden Sie auf www.welthepatitistag.info

Aber auch die Hepatitis E kann, speziell bei Immunsupprimierten und schwer Lebererkrankten große Probleme machen. Auch hierzu im Folgenden einige Informationen.

Machen Sie mit: Zum diesjährigen Welt-Hepatitis-Tag will die World Hepatitis Alliance einen offenen Brief an die Regierungen aller Länder schicken, den jeder online per Unterschrift unterstützen kann. Der Brief soll die Regierungen weltweit –auch in Deutschland – an ihr Versprechen von 2016 erinnern, Hepatitis B und C bis zum Jahr 2030 einzudämmen.

Sie können den englischsprachigen Brief hier unterzeichnen:

www.nohep.org/2020whdletter/.

Eine deutsche Übersetzung des Briefes finden Sie hier: www.welthepatitistag.info/infos/aktionen/unterzeichnen-sie-den-offenen-brief-der-wha-an- die-regierungen-aller-laender/


Hepatitis B und C: Findet die Millionen

Weltweit ahnen knapp 80% der Infizierten nicht, dass sie betroffen sind. Auch in Deutschland geht man von Hundertausenden Infizierten aus, von denen die meisten nichts von der Infektion ahnen. Positive Hepatitis-Tests sind oftmals Zufallsbefunde. (z.B. Blutspende) Die Betroffenen sind dann oft erstaunt, denn sie hatten niemals eine “Gelbsucht“ gehabt. Infektionen verlaufen oftmals unbemerkt. 50-90% werden allerdings chronisch, wobei erste unspezifische Anzeichen wie Müdigkeit oder Gelenkschmerzen auch spät auftreten können. Die Infektion zerstört die Leber weiter bis zur Leberzirrhose mit schweren Komplikationen wie Wassereinlagerungen (Aszites), Gehirnleistunsgsstörungen (Hepatische Encephalopathie). Viele Menschen registrieren erst in diesem Endstadium, dass sie ihre Leber krank ist.

Vorbeugung und Behandlung

Infektionen und schwere Verläufe ließen sich verhindern. Gegen Hepatitis B (in Kombination mit Hep A!) gibt es eine Schutzimpfung. Hepatitis-C-Infektion lässt sich durch Vermeiden von Blutkontakten verhindern. Doch auch wenn Menschen bereits chronisch infiziert sind, gibt es wirksame Therapien: Beides kann die Leber vor Schäden bewahren und zudem das Ansteckungsrisiko für andere Menschen senken. Die Hepatitis B-Infektion ist durch verschiedene antivirale Medikamente gut kontrollierbar. Bei der medikamentösen Hepatitis C-Therapie führt die Ersttherapie schon in 95% der Fälle zur Virusfreiheit, nur 5% benötigen weitere Therapien.

Ziel der WHO: „Viruselimination“ weltweit bis 2030

Die WHO verkündete 2016 das Ziel die Hepatitis B und C weltweit bis zum Jahr 2030 drastisch einzudämmen. Mit Schutzimpfungen gegen Hepatitis B, Screening auf vorhandene Hepatitis-Infektionen und konsequente Behandlungen soll das Ziel erreicht werden. Alle Länder haben sich verpflichtet mitzumachen. Auch Deutschland hat ein Programm dazu aufgelegt (BIS2030-Strategie), dessen konsequente Verfolgung aber durch die derzeitige Corona-Pandemie verzögert werden dürfte.

Deutschland: Guter Behandlungszugang, unbefriedigendes Screening

Steht in Deutschland die Hepatitis-Diagnose, ist der Zugang zu effektiven Therapien gut gewährleistet. Der Zugang wird in den neuen Leitlinien zur Hepatitis C noch verbessert werden, indem die Wartezeit auf die Hepatitis C-Therapie von einem halben Jahr wohl entfallen wird. Dies war bisher von den Krankenkassen vorgegeben, da Hepatitis C erst nach einem halben Jahr chronisch wird. Bei Diagnosestellung sind die meisten Patienten aber schon viele Jahre infiziert.

Für frühzeitige Diagnosen wird allerdings noch zu wenig getan. Zu den Risikogrippen gehören alle, die verstärkt Übertagungswegen ausgesetzt sind (Hep C Blut-zu-Blutkontakt, Hep B Blut und weitere Körperflüssigkeiten), wie z.B. Partner und Kinder von Infizierten, Menschen mit Drogengebrauch und/oder häufig wechselnden Sexualpartnern, homosexuelle Männer, Empfänger von Blutprodukten vor 1991 (Hepatitis C), Menschen aus Ländern mit hoher Hepatitis-B- oder -C- Verbreitung sowie allgemein Patienten mit unklar erhöhten Leberwerten. Bisher ist ein Screening auf Hepatitis B und C für diese Risikogruppen leider noch nicht empfohlen. Entschieden soll in 2020 noch, ob man allen über 35-jährigen eine kostenfreie Untersuchung im Rahmen der Gesundheitsvorsorge anbietet. Das wäre zumindest ein kleiner Fortschritt. Das Screening sollte aber ausgeweitet werden, um frühzeitig Infektionen zu entdecken und das Ansteckungsrisiko zu minimieren.

Hepatitis E: Häufigstes Hepatitisvirus in Deutschland

Vorsicht geboten für Transplantierte – Rohes Fleisch meiden

Was man zu früheren Zeiten als eher exotisches, in Indien vorkommendes Virus wahrgenommen hat, ist längst in Deutschland angekommen. Das Robert-Koche-Institut schätzt, dass jeder 6.Bürger eine Infektion mit dem Hepatitis E-Virus durchgemacht hat. Weltweit infizieren sich lt. WHO schätzungsweise 20 Millionen Menschen jährlich mit dem Virus.

Übertragungswege

Während in Entwicklungsländern die Hepatitis E-Viren -wie auch die Hepatitis A- meist durch schmutziges Wasser übertragen werden, sind es in Deutschland ungekochtes, nicht durchgegartes oder unvollständig geräuchertes Fleisch, sowie Meeresfrüchte. In Mettbrötchen, aber auch anderen Rohfleischprodukten, ja in Feldfrüchten wie Erdbeeren kann das Virus auftreten.

Neu: Blutproben werden auf Hep E getestet

Ein großer Fortschritt ist es, dass seit 1.12020 Blutprodukte auch auf Hepatitis E untersucht werden müssen. Was für HIV, Hepatitis B und C schon lange selbstverständlich war, gilt also nun auch für die Hepatis E. Die Testung der Blutproben begann schon im Herbst 2019 und es konnten so schon Übertragungen des Virus verhindert werden, was gerade bei schwer Erkrankten wichtig ist.

Verlauf und Therapie

Meistens verläuft eine Infektion unbemerkt. Bei Menschen mit schwerer Vorerkrankungen der Leber kann die Infektion problematisch bis tödlich verlaufen. Bei immungeschwächten Personen, wie Organtransplantierte besteht die Gefahr einer chronischen Virus-Erkrankung, die in 1-3 Jahren zur Leberzirrhose führen kann. Bei chronischen Verläufen wird das antivirale Medikament Ribavirin eingesetzt, da es kein anderes dafür zugelassenes Medikament gibt. 2/3 der Patienten heilen so aus. Spricht der Patient auf Ribavirin nicht an, gibt es keine weitere Alternative.

Vom Hepatitis-E-Virus gibt es verschiedene Varianten. In Indien und Afrika ist eher der Genotyp 1 verbreitet, der im letzten Drittel der Schwangerschaft dazu führt, dass jede 4. der Infizierten an Komplikationen verstirbt. In Europa ist der Genotyp 3 verbreitet, der diese Probleme seltener macht. 

Vorbeugung

Gegen das Hepatitis-E-Virus des Genotyp 3, wie er in Europa vorkommt, gibt es noch keinen Impfstoff. In China ist ein solcher gegen den Genotyp 1 schon seit 8 Jahren erhältlich. Ob er auch gegen den Genotyp 3 wirksam wäre ist nicht bekannt. Vielleicht interessieren sich ja auch bei uns einmal Ärzte, Hersteller und die Politik für einen Impfstoff gegen Hepatitis Genotyp 3.

Zur Erinnerung: Gegen Hepatitis A und B kann sich jeder impfen lassen und sollte dies auch tun.

Die Vorbeugung in Deutschland, besonders für Immunsupprimierte besteht also vor allen Dingen darin rohes Fleisch und Rohwurstprodukte zu meiden.

J. Riemer

Quelle: Pressemitteilungen der Deutschen Leberhilfe e,V. v. 28.7.2020

Kontakt

Lebertransplantierte Deutschland e.V.
Montag - Donnerstag 10:00 bis 15:00 Uhr 

Telefon: 02302/1798991
Fax: 02302/1798992

E-Mail: geschaeftsstelle(at)lebertransplantation.de

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