Lebertransplantationen: Bessere Ergebnisse bei höheren Fallzahlen?

Der IQWIG-Bericht bringt keine Klarheit für die Mindestmengen

Ist die Wahrscheinlichkeit eines Behandlungserfolgs bei einer Lebertransplantaion davon abhängig, wie häufig das Krankenhaus bzw. das Ärzteteam den Eingriff durchführt? Um diese Frage geht es in einem der acht Prüfaufträge zu Mindestmengen, die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erteilt hat. Der IQWIG-Bericht für die Lebertransplantation incl. Leberlebendspende liegt nun vor.
Positive Aussagen zu Zusammenhängen zwischen Qualität und Fallzahlen werden meist relativiert durchdie fesstellung der niedrigene Aussagekraft.

Aus der PM des IQWIG: Danach gibt es bei Lebertransplantationen (einschließlich Teilleber-Lebendspenden) einen positiven Zusammenhang zwischen der Leistungsmenge und der Qualität des Behandlungsergebnisses: In Krankenhäusern mit höheren Fallzahlen sind die Überlebenschancen für die Transplantierten insgesamt größer. Für das Transplantatversagen zeigt sich je nach Höhe der Fallzahl ein uneinheitliches Bild. Studien zu den Auswirkungen von konkret in die Versorgung eingeführten Mindestfallzahlen gibt es nicht und konnten vom IQWiG dementsprechend nicht ausgewertet werden.

Auf Basis von sechs in die Bewertung einbezogenen Beobachtungsstudien sieht das IQWiG einen positiven Zusammenhang zwischen der Zahl der in einem Krankenhaus durchgeführten Lebertransplantationen und der Qualität des Behandlungsergebnisses. Vor allem sind die Überlebenschancen in Krankenhäusern mit höheren Fallzahlen insgesamt größer. Die Sicherheit dieser Aussage stuft das Institut wegen der eher geringen Datenqualität jedoch als niedrig ein.

Was das Transplantatversagen angeht, sehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (bei ebenfalls niedriger Aussagekraft der Ergebnisse) zwar einen Zusammenhang zwischen der Leistungsmenge und der Qualität des Behandlungsergebnisses auf Krankenhausebene – dieser Zusammenhang ist aber nicht linear. So sinkt die Transplantat-Abstoßungsrate in einer relevanten Studie nur bis zu einer jährlichen Fallzahl von 50 Lebertransplantationen pro Jahr, steigt dann an und sinkt ab etwa 90 Lebertransplantationen pro Jahr wieder. Sollte sich dieses Ergebnis in weiteren hochwertigen Studien bestätigen, so wären neben zu erfüllenden Mindestmengen auch jährliche Höchstmengen denkbar.
Für die definierten Zielgrößen „unerwünschte Wirkungen der Therapie“, „gesundheitsbezogene Lebensqualität“ und „Krankenhausaufenthaltsdauer“ konnte das IQWiG-Team wegen fehlender Daten keinen Zusammenhang zwischen der Zahl der Lebertransplantationen und der Behandlungsqualität ableiten. Da keine der eingeschlossenen Studien die Leistungsmengen der einzelnen Ärztinnen und Ärzte einbezogen hatte, beziehen sich die Ergebnisse des IQWiG-Berichts ausschließlich auf die Ebene der Krankenhäuser, in denen die Lebertransplantationen durchgeführt wurden.

Keine Aussage zur deutschen Mindestmengenregelung möglich

Die derzeit in Deutschland gültige jährliche Mindestmenge für die Lebertransplantation liegt bei 20 Behandlungen pro Krankenhausstandort (inklusive Teilleber-Lebendspenden). Dabei werden auch die Organentnahmen mitgezählt. Für die aktuelle Bewertung blieben die reinen Organentnahmen jedoch unberücksichtigt, unter anderem weil die eingeschlossenen Studien dazu keine Daten liefern.
Studien zu den Auswirkungen von konkret in die Versorgung eingeführten Mindestfallzahlen gibt es nicht und konnten vom IQWiG dementsprechend nicht ausgewertet werden.“

Diese Untersuchung bestätigt, dass gute Studienergebnisse aufgrund mangelnder Datenlage aus deutschen Zentren fehlen Vielleicht bringt uns ja in diesem Punkt das Transplantationsregister voran. Auch bestätigt das Ergebnis der IQWIG-Untersuchung die im Beitrag zum Thema Mindestmengen in der Ausgabe 2/2018 veröffentlichte Aussage: „Zuerst ein schlüssiges Konzept, das Qualität, Strukturen, Prozesse in den Kliniken, sowie in der Nachsorge erfasst und auch die speziellen Patientenbelange im Lebertransplantationsbereich ernst nimmt und dann evtl. Überlegungen zur Reduzierung der LTx-Zentren. Reine Entscheidungen nach Zahlen sind eher nicht tragfähig.“
Jutta Riemer

Quelle: PM des IQWIG vom 2.10.2019

Der komplette Bericht kann unter der Homepage des IQWIG eingesehen werden (www.iqwig.de)

 

 

Kontakt

Lebertransplantierte Deutschland e.V.
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Fax: 02302/1798992

E-Mail: geschaeftsstelle(at)lebertransplantation.de

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