29. Jahrestagung der Deutschen Transplantationsgesellschaft in Köln – und virtuell!

Vom 15. bis zum 17. Oktober fand die Jahrestagung der Deutschen Transplantationsgesellschaft im Kongresszentrum des Kölner Messegeländes statt. In Sichtweite des Kölner Doms, nur durch den Rhein von der Innenstadt getrennt waren Vorträge und Veranstaltungen zur Transplantationsmedizin geplant. Auch eine Ausstellung von Unternehmen, die für die Transplantation erforderlichen Medikamente und Geräte anbieten, sollte stattfinden. Kurz vor Beginn des Kongresses rollte jedoch die zweite Welle der Corona-Pandemie durch Deutschland und die Nachbarländer. Köln wurde kurz vor Beginn des Kongresses zum Risikogebiet. Die Ausstellung musste abgesagt werden, der Kongress war schon als Hybridveranstaltung geplant und konnte mit geringer Teilnehmerzahl bei einem entsprechenden Hygienekonzept durchgeführt werden. Viele Vorträge wurden Online oder als Videoeinspielung angeboten, abschließende Diskussionsrunden fanden unter Einbeziehung von Chats statt. Nicht nur viele der Dozenten, sondern auch viele Tagungsteilnehmer mussten auf die Reise nach Köln verzichten. Die wenigen Teilnehmer verloren sich etwas in den für mehrere hundert Teilnehmer geeigneten Räumen. Wir haben beide Seiten erlebt: Gerd Böckmann war live in Köln dabei, Jutta Riemer hat den Kongress virtuell verfolgt. Besonders erfreulich war die Verleihung des Organspendepreises der DTG an Lebertransplantierte Deutschland e. V. Dieser mit 5000,- € dotierte Preis wird für herausragendes Engagement für die Organspende in Deutschland verliehen. (siehe separater Bericht)

Mit dem Thema Corona-Pandemie beschäftigten sich mehrere Vorträge

Covid 19 und Transplantation

Aktuelle Forschungsergebnisse zu Covid 19 Infektionen und Ihr Einfluss auf Transplantationen und Transplantationspatienten bildeten einen Schwerpunkt der Veranstaltung.

Auch zu Zeiten des Höhepunktes der Pandemie in der ersten Jahreshälfte 2020 haben Intensiv- und Dialysekapazitäten in Deutschland ausgereicht, so dass transplantationsmedizinische Eingriffe ohne Beeinträchtigungen durchgeführt werden konnten. Kein Zentrum hat sein Transplantationsprogramm schließen müssen, wie das im benachbarten Ausland wohl vorgekommen ist. So kam es in Deutschland zu keiner nennenswerten Abnahme der Transplantationszahlen, die sich allerdings, wie bekannt, an sich schon auf niedrigem Niveau bewegen. Es wäre also eine Katastrophe für die betroffenen Wartelistenpatienten gewesen, wenn es hier noch Einbrüche gegeben hätte. Lediglich Lebendorganspenden, die ja planbar sind, wurden nach Nutzen-Risiko-Abwägung teilweise verschoben. Es gab keinen einzigen Fall, in dem es durch die Transplantation zur SARS-CoV-2-Ansteckung des Transplantierten kam.

Mittlerweile weiß man auch, dass eine Transplantation und in Folge die damit einhergehende Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten das SARS-CoV-2-Infektionsrisikound das COVID-19-Erkrankungsrisiko per se nicht erhöhen. Das war eines der wesentlichen Ergebnisse, die bei der auf der Tagung diskutiert wurden.

„Menschen, die vor kurzem ein Spenderorgan erhalten haben, sollen sich natürlich bestmöglich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen, müssen aber keine Sorge haben, dass das Risiko für einen schlechten COVID-19-Verlauf bei ihnen überproportional höher ist als bei Nicht-Transplantierten. Die zweite wichtige Botschaft lautet: Es gibt keinen Grund, die Transplantationsprogramme zu stoppen, selbst wenn die Infektionszahlen wieder weiter ansteigen. Wir können unsere Patienten sicher transplantieren und versorgen.“ So die Botschaft von Prof. Christian Hugo aus Dresden, Generalsekretär der DTG.

Ein weiteres Thema war die Lebendspende bei Niere und Leber.

Durch mehr Lebendspenden – Verringerung des Organmangels

Prof. Utz Settmacher vom Lebertransplantationszentrum Jena stellte die Möglichkeiten der Lebendspende im Bereich der Leber vor. Er betonte, dass die Lebendspende auch bei erwachsenen Empfängern ein gutes Mittel sei, um dem Versterben auf der Warteliste bei nach wie vor bestehendem Organmangel entgegenzutreten. Die Durchführung von Leberlebendtransplantationen (LLTx) erfordern im Zentrum besondere Erfahrung und Logistik. So wurden 2019 in 9 von 21 Lebertransplantationszentren insgesamt 58 Leberlebendspenden durchgeführt, was 6,5% der durchgeführten Lebertransplantationen entspricht. Davon 48 LLTx konzentriert in 5 Zentren (Jena, Hamburg, Essen, Regensburg, Tübingen). Waren zu früheren Zeiten bei erwachsenen Spendern die Blutgruppenverträglichkeit und die ausreichende verbleibende Lebermasse unumstößliche Voraussetzungen, zeigte Settmacher auf, dass auch blutgruppeninkompatible Transplantationen durch entsprechende Vorbereitung des Spenders (medikamentös und Immunadsorptionsverfahren) erfolgreich sind. Bei nicht ausreichender Lebermasse des Spenders setzt Settmacher auf eine zweischrittige Transplantation, bei der ein -eigentlich zu kleines- Stück Leber unter Erhalt der kranken Leber mit Restfunktion verpflanzt wird und nach Größenzunahme in einer zweiten OP dann die kranke Leber entfernt werden kann. Lebendspende ist und bleibt aber stets ein freiwilliger Akt und kann nur nach eingehender Beratung und Aufklärung zu möglichen körperlichen und seelischen Nebenwirkungen in Erwägung gezogen werden.

Die Themen Overcrossspende oder gar Reihenspende bis hin zur Spende in einen anonymen „Spender-Pool“ wurden im Zusammenhang mit der Nierentransplantation beleuchtet und Erfahrungen aus dem Ausland präsentiert. Bei der Nierenlebendspende kann ein komplettes Organ entnommen werden. Hier beträgt der Anteil der Lebendspenden in Deutschland derzeit ca. 32 %. Durch Verfahren wire die Crossoverspende könnte dieser Anteil und die Gesamtzahl der Transplantationen erhöht werden. Bei der Overcrossspende werden die Organe zwischen zwei Spender- und Empfängerpaaren ausgetauscht, weil eine Spende bei den ursprünglichen Paaren A/A oder B/B. wegen Gewebeunverträglichkeit nicht möglich wäre. Z.B. spendet hier Ehemann A auf Ehefrau B und „overcross“ gleichzeitig Ehemann B auf Ehefrau A. So können Nierenwartelistenpatienten, die ansonsten 6-8 Jahre auf die Transplantation warten müssen mit einer Organspende versorgt werden. Dieses Verfahren schließt das deutsche Transplantationsgesetz (noch?) aus. Voraussetzung für eine Lebendspende -Niere wie Leberteil – ist in Deutschland eine Blutsverwandschaft oder eine besondere persönliche Nähe. In anderen Ländern (z.B. USA, UK, Niederlande) ist dies erlaubt und man hat gute Erfahrungen im Bereich der Nierentransplantation gemacht. Aufgrund der schwierigeren Operation, geringeren Fallzahlen und logistischen Hindernissen stellt sich die Frage für die Leberlebendspende bisher wohl eher nicht. Prof.Vicklicky aus Tschechien und Prof. Dor aus UK zeigten das Potential dieser erweiterten Form der Nieren-Lebendspende anhand von internationalen Zahlen auf. Sie wiesen aber auch darauf hin, dass eine aufwändige Logistik notwendig ist und es im Vorfeld wichtige Fragen zu beantworten gilt: Wie wird das Outcome systematisch erfasst? Wie wird aufgeklärt? Wie wird sichergestellt, dass potenzielle Spender alle Aspekte der entsprechenden Lebendspendeform verstehen?

So fordert auch die DTG in Ihrer Pressemeldung zum Kongress „Kreative Konzepte in der Lebendspende“ und weist darauf hin, dass auch in Deutschland über eine Spende nach dem Hirntod hinaus über Organspenden nach Herztod (non hart-beating-donation) ernsthaft diskutiert werden sollte.

 

Haustiere – Infektionsrisiko nach Transplantation?

Transplantation und Haustiere war das Thema eines Vortrags von Prof. Dr. Andreas Zuckermann aus Wien, der sich direkt an Transplantationspatienten richtete. Aus hygienischer Sicht sollten Transplantierte auf das Halten von Haustieren und den Umgang mit ihnen völlig verzichten. Eine Übertragung von Bakterien und Viren vom Tier auf den Menschenkann niemals völlig ausgeschlossen werden. Ein Tierhaltungsverbot, wie es einige Transplantationszentren propagieren, sei jedoch nicht praxisgerecht und würde von vielen umgangen. Deshalb gab er einige Tipps, die nach einer Transplantation unbedingt beachtet werden sollten. In der ersten Zeit nach der Transplantation in der die Immunsuppressiva noch relativ hochdosiert eingenommen werden, sollte auf den Umgang mit Tieren verzichtet werden. Wenn die Transplantatfunktion stabil ist, kann mit entsprechender Umsicht ein Tier im Haus gehalten werden. Bevorzugt sollten hierbei Hunde und Katzen werden. Diese Tiere sollten gesund und regelmäßig umfassend geimpft und entwurmt sein. Bei Katzen sollte es sich um reine Hauskatzen und nicht um Freigänger handeln. Die Toxoplasmose ist eine allgegenwärtige Gefahr bei der Katzenhaltung. (siehe Artikel in den Lebenslinien 2/2020) Die Reinigung des Katzenklos ist an andere Familienmitglieder zu delegieren oder nur mit Einmalhandschuhen und Mundschutz durchzuführen. Eine Kastration des Tieres mindert das Interesse an Artgenossen und damit das Infektionsrisiko für Tier und Mensch. Eine regelmäßige tierärztliche Untersuchung sollte selbstverständlich sein.

Vögel, Kleinnager und Reptilien stellen ein sehr hohes Risiko dar. Sie können eine Vielzahl von potentiell gefährlichen Krankheitserregern auf den Menschen übertragen. Impfungen sind nicht möglich, auch sind die Erkrankungen nicht so umfassend erforscht wie bei Hund und Katze. Ein Verzicht auf die Haltung dieser Tiere ist dringend anzuraten.

Bei einer Infektionserkrankung eines Transplantierten ist immer der Kontakt mit Tieren zu überprüfen und dem behandelnden Arzt mitzuteilen. Auch das Tier eines Nachbarn, zu dem nur ein gelegentlicher Kontakt besteht, kann die Quelle einer Erkrankung sein.

Gerd Böckmann / Jutta Riemer

Quellen: Vorträge bei der DTG-Jahrestagung

Pressemitteilungen der DTG vom 16.10.2020 /DSO

Kontakt

Lebertransplantierte Deutschland e.V.
Montag - Donnerstag 10:00 bis 15:00 Uhr 

Telefon: 02302/1798991
Fax: 02302/1798992

E-Mail: geschaeftsstelle(at)lebertransplantation.de

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