Die Ultraschall-Untersuchung in der Leberdiagnostik

Seit es Menschen gibt, besteht der Wunsch in das Innere des lebenden menschlichen Körpers sehen zu können. Die Möglichkeit dazu gibt es erst seit der Erfindung des Röntgenapparates Ende des letzten Jahrhunderts.

Eine weitere Möglichkeit kam in den Sechziger Jahren hinzu. Der Ultraschall (die Sonographie) eröffnete völlig neue Einblicke, vor allem in die inneren Organe des Körpers. Ohne potentiell schädigende Strahlen, nur mit Schallwellen lassen sich Gewebe des Körpers von außen hervorragend beurteilen.

Technisches Prinzip

Moderne Ultraschallgeräte arbeiten im Frequenzbereich von 3- 10 Megahertz. Diese Schalfrequenzen liegen weit außerhalb des vom Menschen wahrnehmbaren Bereichs (daher: Ultra- Schall). Sie beinhalten keinerlei Gefährdung des Patienten durch biologische Schallwirkung. Die Erzeugung der Ultraschallwellen im Schallkopf erfolgt durch piezoelektrische Umwandlung elektrischer Energie in mechanische Schwingungen. Umgekehrt arbeiten die Schallköpfe auch als Aufnehmer der im Gewebe reflektierten Schallwellen und wandeln diese in elektrische Signale um. Ein Schallkopf schaltet also immer ganz schnell zwischen Aussenden von Schallwellen und dem Aufnehmen der zurück geworfenen Schallwellen hin und her.

Die unterschiedliche Zusammensetzung von Organen, ihr unterschiedlicher Gehalt an Wasser, Zellen, Blut, Kalk oder Bindegewebe bedingt die unterschiedliche Reflektion der Schallwellen. Ein Computer im Ultraschallgerät berechnet dann aus diesen Informationen das auf dem Bildschirm erscheinende Bild. Je höher die Frequenz der Schallwellen ist, desto feiner wird das Bild, aber desto geringer ist auch ihre Fähigkeit in das Gewebe einzudringen. Hier muss der Untersucher je nachdem, welche Information er haben will, die richtige Frequenz wählen. Sehr große Unterschiede in der Schall- Leitfähigkeit zwischen zwei Geweben führen zu Störungen. So kann zum Beispiel Luft oder Kalk im Körper von den Schallwellen nahezu nicht durchdrungen werden und jedes Gewebe dahinter bleibt unsichtbar.

Was kann der Ultraschall von der Leber zeigen

Die Leber ist ein großes parenchymatöses (fleischiges) Organ, das aus dem Lebergewebe, den Gallengängen, den Blutgefäßen und der Gallenblase besteht und im Normalfall weder Luft noch Kalk enthält. Ein großer Teil der Leber liegt der Bauchwand direkt an. Daher ist es, bis auf wenige Sonderfälle, möglich das ganze Organ mit Ultraschall darzustellen. Die Lebergröße wird normalerweise anhand eines Längsschnittbildes von der Seite her gemessen.

Hieraus kann bereits grob auf das Vorliegen einer Lebererkrankung geschlossen werden. Eine gesunde Leber misst dabei je nach Größe des Patienten 12- 15 cm. Sehr schön zu sehen sind die Blutgefäße in der Leber ( siehe Abbildung). Man kann anhand unterschiedlicher Lage und unterschiedlicher Gefäßwand zwischen den Pfortaderästen, in denen das Blut in die Leber hinein fließt und den Lebervenen, in denen das Blut aus der Leber hinausfließt unterscheiden. Die Gallengänge laufen im Ultraschallbild als feine Linien meist parallel zu den Pfortadergefäßen. Die gesunde Gallenblase zeigt sich beim nüchternen Patienten als 5 bis 8 cm großes dunkles, das bedeutet Flüssigkeits gefülltes, Organ an der Leberunterseite, das von einer hellen, etwa 4 mm dicken Wand umgeben wird. Die gesunde Leber selbst hat ein homogenes Echomuster mit feinen gleichmäßig verteilten Reflexen

Welche Erkrankungen der Leber sind im Ultraschall sichtbar

Man unterscheidet zwischen diffusen, also die gesamte Leber betreffenden Erkrankungen und fokalen, auf begrenzte Abschnitte der Leber beschränkte Erkrankungen. Zu den diffusen Erkrankungen gehört die Fettleber. Hier zeigt sich eine vergrößerte, heller und glatter erscheinende Leber, deren Ränder verplumpt sind. Die Ursachen sind sehr vielfältig (Adipositas, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Alkohol, Hepatitis, Medikamentenschäden etc.). Eine akute Virushepatitis hat keine typischen Zeichen im Ultraschall, die Leber ist nur etwas vergrößert und etwas echoärmer, das heißt dunkler.

Eine chronische Hepatitis zeigt sich ebenfalls meist nur mit untypischen Veränderungen, die abgesehen von der häufig zu findenden fettleberartigen Beschaffenheit bei längerem Bestehen die Zeichen einer Leberzirrhose bieten. Die Leberzirrhose, das Endstadium verschiedenster chronisch verlaufender Lebererkrankungen (Alkoholleber, Hepatitis B und C, Primär biliäre Zirrhose, Primär sklerosierende Cholangitis, Autoimmune Hepatitis, Morbus Wilson, Hämochromatose und viele seltene Erkrankungen mehr) bietet stadienabhängig unterschiedlich ausgeprägte Veränderungen, die durch den Umbau der Leber bedingt sind. Normales Lebergewebe wird durch Bindegewebe ersetzt. Die feine, samtartige Struktur der Leber wird mit Fortschreiten der Erkrankung immer gröber. Diese groben Strukturen sind heller, der Leberrand wird abgerundet.

Der Durchmesser der Lebergefäße nimmt im Verlauf der Erkrankung ab. Die Lebergröße nimmt anfänglich zu bis über 20 cm. Aber mit Fortschreiten der Erkrankung nimmt sie ab und im Endstadium ist die Leber manchmal nur noch 8- 10 cm groß, sehr hell und besteht auf dem Bild nur noch aus einzelnen Knötchen. Meist bildet sich in diesem Stadium auch Aszites (Bauchwasser), der als dunkler Saum die Leber umgibt oder gar den ganzen Bauchraum erfüllt, so dass die Leber darin zu schwimmen scheint. Der geübte Untersucher hat also die Möglichkeit mit der Ultraschalluntersuchung das Stadium einer Lebererkrankung sehr gut zu erkennen und den Verlauf einzuschätzen.

Der Nachweis fokaler Lebererkrankungen gelingt mit modernen Ultraschallgeräten ab einer Größe von 5 mm. Schwieriger als das Erkennen einer Veränderung ist oft die Deutung. Diese Veränderungen werden nach ihrer Anzahl, Größe, Form, Begrenzung und ihrem Reflexmuster sowie ihrer Lage in der Leber eingeteilt. Aus der Vielzahl möglicher herdförmiger Veränderungen sind vor allem bösartige Lebertumoren, Gallengangstumoren, gutartige Tumoren wie Hämangiome, Adenome, die Fokal Noduläre Hyperplasie (FNH), Leberzysten und Leberabszesse hervorzuheben. Von sehr großer Bedeutung ist auch das Erkennen von Absiedlungen bösartiger Tumoren (Metastasen) in der Leber.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten von Ultraschall in der Leber

Sehr wichtig zur Beurteilung von Lebererkrankungen ist die Entnahme von Proben (Biopsien) aus der Leber. Dies ist auch zur Beurteilung von Veränderungen wie Abstoßung oder Infektion in einer transplantierten Leber von größter Bedeutung. Mit Hilfe des Ultraschalls kann sehr sicher eine geeignete Punktionsstelle in der Leber gefunden werden. Die Gefahr andere Organe zu verletzen kann somit fast ganz ausgeschlossen werden. Ebenso können herdförmige Veränderungen in der Leber unter Ultraschallsicht genau biopsiert werden. Mit speziellen Ultraschallgeräten ist es möglich den Blutfluss in den Gefäßen darzustellen und auch die Flussgeschwindigkeit zu messen. Mit solchen Doppler- bzw. duplexsonographischen Geräten können feine Veränderungen in der Leber oft noch früher erkannt werden.

Ultraschall und Lebertransplantation

Die gesamte Transplantationsmedizin wäre ohne Ultraschall kaum denkbar. Gerade hier muss der Arzt über den Zustand des erkrankten Organs, das eventuell entfernt werden soll oder des transplantierten Organs möglichst viele Informationen haben. Die Durchblutung einer transplantierten Leber kann mit dem Duplex hervorragend bestimmt werden, das Ansprechen der Leber auf eine Abstoßungstherapie wird durch eine Ultraschall gesteuerte Biopsie erkannt. Dies sind nur einige Beispiele zur Bedeutung des Ultraschalls. Nur durch eine regelmäßige Ultraschalluntersuchung ist man in der Lage Veränderungen rechtzeitig zu erkennen und notwendige Entscheidungen früh genug zu treffen.


Dr. med. Eberhard Will
, Mannheim

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