(M)ein neues Leben

Mein Name ist Günter Schelle, ich bin 64 Jahre alt und wurde im November 2015 lebertransplantiert.

1975 wurde bei mir (als Hämophilie A Patient) eine Non A-Non B-Hepatitis diagnostiziert; ab 1989 bekannt als Hepatitis C. Wie ich mich mit dem Virus infiziert habe, konnte nicht eindeutig geklärt werden. 

Nach zunächst komplikationslosen Jahren wurde ca. 2005 durch routinemäßige Untersuchungen eine beginnende Leberzirrhose festgestellt, die sich im Laufe der Jahre manifestierte. Ich verspürte keinerlei gesundheitliche Beeinträchtigungen und konnte meinen Beruf bis zum Schluss uneingeschränkt ausüben.

Im Januar 2015 wurde nach einer Routinekontrolle im Hämophilie-Zentrum erstmals der Verdacht eines Tumors geäußert, der durch anschließende Untersuchungen bestätigt wurde. Es wurde ein Karzinom in der Leber von 4,8 cm festgestellt, eine unverzügliche ResektionDie chirurgische Entfernung des Tumors. (operative Entfernung) war unumgänglich. Zwar hatte der Tumor noch nicht gestreut - allerdings ergaben die feingeweblichen Untersuchungen eine hohe Aggressivität. Hieraus erfolgte eine sofortige Listung bei Eurotransplant zwecks Lebertransplantation.

Am späten Nachmittag des 28. November 2015 erhielt ich vom Transplantations-Zentrum des Universitätsklinikums Bonn einen Anruf, es stand ein Organ für mich zur Verfügung. Nach den erforderlichen Vorbereitungen konnte ab 21:00 Uhr mit der Transplantation begonnen werden. Trotz meiner Hämophilie verlief der Eingriff dank des Einsatzes von Faktor-VIII-Konzentraten relativ komplikationslos, die neue Leber arbeitete gegen 6:00 Uhr am 29. November 2015 einwandfrei. Es ist bemerkenswert, dass heutzutage auch bei Hämophilie-Patienten mit einem sehr hohen Blutungsrisiko derart schwere operative Eingriffe durch ärztliche Kunst und lebensrettende Faktorenkonzentrate ohne größere Komplikationen (Blutungsereignisse) durchgeführt werden können. Bemerkenswert deshalb, weil noch bis Mitte der 50iger Jahre die durchschnittliche Lebenserwartung von Bluterpatienten lediglich bei ca. 50 Jahren lag und selbst kleinere operative Eingriffe lebensbedrohlich waren.

Ein positiver Nebeneffekt der Transplantation: Meine neue Leber bildet eine normale Menge an Faktor VIII, so dass ich keine Hämophilie mehr habe.

Regelmäßige stationäre Krankenhausaufenthalte gehören heute zu meinem Lebensalltag, ein strenges Tablettenregime ist wegen der Abstoßungsreaktionen des transplantierten Organs ein Leben lang erforderlich. 

Dennoch bin ich dankbar für das geschenkte Leben! Meine Gedanken sind häufig bei meinem Organspender/meiner Organspenderin und dessen/deren Familie. Ohne ihn/sie würde ich heute nicht mehr leben. 

Ich bin entsetzt und betroffen, wenn ich die aktuellen Organspenderzahlen für 2017 betrachte: Nur noch 797 Menschen waren bereit, ihre Organe zu spenden. Das bedeutet für viele betroffene Patienten, dass sie keine Hoffnung auf ein Weiterleben haben! Es ist mir deshalb ein großes Anliegen, meine Mitmenschen über Fakten zur Organspende aufzuklären. Große (mediale) Unsicherheit zu diesem Thema verhindert, dass viele (zu viele) Menschen einen Organspenderausweis ausfüllen oder den bereits vorhandenen wieder aktivieren. 

Jeder Betroffene sollte seine Mitmenschen von der Notwendigkeit eines Organspenderausweises überzeugen. Viele schwerkranke Patienten warten dringend auf ein lebensrettendes Organ, das ihnen ein Weiterleben ermöglicht.

Hilfreich war für mich nach der Transplantation der Kontakt zur Selbsthilfegruppe „Lebertransplantierte Deutschland e.V.“, für die ich heute ehrenamtlich als Ansprechpartner für die Kontaktgruppe Bonn und Umgebung tätig bin.

Günter Schelle

Kontakt

Lebertransplantierte Deutschland e.V.
Montag - Donnerstag 10:00 bis 15:00 Uhr 

Telefon: 02302/1798991
Fax: 02302/1798992

E-Mail: geschaeftsstelle(at)lebertransplantation.de

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