30 Jahre geschenktes Leben

Vor über 30 Jahren (Februar 1987) erhielt ich – damals 17-jährig - mein „Geschenk des Lebens“ – die rettende Spenderleber.
Als ich in der Nacht vom 18. auf den 19. Februar 1987 in einer zwölfstündigen Operation eine neue Leber erhielt, war ich erst der siebte Patient überhaupt, bei dem in Tübingen ein solcher Eingriff durchgeführt wurde. Gerade hatte ich meine Ausbildung zum Modellbauer begonnen, als die seltene, erbliche Stoffwechselerkrankung Morbus Wilson diagnostiziert wurde. Diese Erkrankung führt dazu, dass sich mit der Nahrung aufgenommenes Kupfer in der Leber ansammelt und nicht ausgeschieden wird, was im Endeffekt eine Leberzirrhose zur Folge hat. 

Die Ärzte sagten mir damals eine Lebensdauer von nur noch wenigen Wochen oder Monaten voraus, wenn nicht rechtzeitig ein Spenderorgan transplantiert werden könne. Ich hatte viel Glück und mir wurde in einer 12-stündigen Operation eine Spenderleber eingepflanzt. Als ich nach erfolgreicher Transplantation das Universitätsklinikum wieder verließ, hätte wohl niemand die Prognose gewagt, dass er 30 Jahre später in bester gesundheitlicher Verfassung zu einer fröhlichen Stippvisite vorbeischauen würde.

Denn zum „runden Jubiläum“ stattete ich - heute 47-Jährig - der Station, auf der ich einst vor und nach der Transplantation gepflegt worden war, einen Besuch ab. Ich wollte meinen Dank ausdrücken und zeigen, dass es mir auch nach 30 Jahren noch gut geht und ich mitten im Leben, im Beruf und im Ehrenamt als Rettungssanitäter stehe. Meinem Organspender und dessen Familie bin ich auch heute noch sehr dankbar. Wann immer es sich ergibt, kläre ich meine Mitmenschen über Fakten zur Organspende auf. Wenn sich jemand bewusst gegen einen Organspenderausweis entscheidet, ist das für ihn völlig in Ordnung. Mir geht es darum, dass sich die Leute mit dem Thema überhaupt auseinandersetzen. 

Dass das Leben vor und nach einer Transplantation die ganze Familie betrifft und die vielen Wochen zwischen Hoffen und Bangen Spuren hinterlassen, hatte damals meine Mutter Irmgard dazu bewogen eine Selbsthilfegruppe für Transplantierte und Angehörige zu gründen. Hier konnten sich Menschen auf Augenhöhe begegnen und sich gegenseitig Mut zusprechen. Später hat sich diese Gruppe dem Verein Selbsthilfe Lebertransplantierter Heidelberg e.V. angeschlossen und der Verein benannte sich um in Selbsthilfe Lebertransplantierte Deutschland e.V. (heute Lebertransplantierte Deutschland e.V.) Frau Irmgard Klein war noch viele Jahre Kontaktgruppenleiterin und hilfreiche Ansprechpartnerin des Verbandes für Betroffene. Leider verstarb meine Mutter im Jahr 2015. Sie hätte sicher gerne mit mir dieses besondere 30jährige Transplantationsjubiläum Jubiläum gefeiert.

Thorsten Klein

Foto: Prof. Dr. Alfred Königsrainer und Thorsten Klein

Kontakt

Lebertransplantierte Deutschland e.V.
Montag - Donnerstag 10:00 bis 15:00 Uhr 

Telefon: 02302/1798991
Fax: 02302/1798992

E-Mail: geschaeftsstelle(at)lebertransplantation.de

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