Zeit für die Grippeimpfung

Es ist schon jedes Jahr wieder erstaunlich wie schnell sich der Sommer verabschiedet und dem Herbst Platz macht. Das ist nun die Zeit an die Grippe- (Influenza-) Impfung zu denken, denn jetzt beginnt wieder die Grippezeit. Gerade ältere und immungeschwächte Patienten sind durch Influenza-Viren besonders gefährdet, ebenso auch alle Menschen mit chronischen Erkrankungen, z.B. Diabetiker, Patienten mit Niereninsuffizienz, mit Herzkrankheiten oder Lungenerkrankungen. Die Grippeimpfung wird von der STIKO (Ständige Impfkommission) und den Transplantationszentren für die immunsupprimierten, transplantierten Patienten dringend empfohlen. Besonders wichtig ist, dass auch die Menschen im Umfeld der Risikopatienten ebenfalls geimpft werden.

Wo kann man sich anstecken?
Bei der Tröpfcheninfektion werden beim Niesen, Husten aber auch schon beim Sprechen Tröpfchen über die Luft verteilt. Dort, wo sich Menschen auf engem Raum in geschlossenen Räumen aufhalten ist das Ansteckungsrisiko besonders hoch. (z.B. Öffentliche Verkehrsmittel) Die sogenannte Schmierinfektion findet über die Hände statt. (Händeschüttel, Türklinken, Einkaufswagen etc.) Von der Haut der Hände werden die Viren z.B. durch den Griff ins Gesicht (Nasenschleimhaut, Augenschleimhaut) übertragen.

Wie können wir dieses Übertragungsrisiko verringern?

Das regelmäßige Waschen der Hände kann das Übertragungsrisiko deutlich verringern. Noch wirksamer ist es, wenn die Hände mit einem alkoholischen Präparat desinfiziert werden. Händedesinfektionsmittel in Gelform gibt es mittlerweile in jeder Drogerie und im Supermarkt.

Wie unterscheidet sich die echte Influenza-Grippe von einem grippalen Infekt?
Die „echte“ Grippe wird durch Influenzaviren verursacht, grippale Infekte durch eine Vielzahl von Viren. Typisch für die echte Grippe ist ein plötzlicher Beginn mit hohem Fieber über 38,5 Grad, trockenem Husten ohne Auswurf, Halsschmerzen, Appetitlosigkeit sowie starken Kopf- und Gliederschmerzen. Gerade ältere Menschen brauchen oft sehr lange, bis sie sich von der Infektion erholt haben.

Der Volksmund sagt, eine Grippe sei unangenehm, aber harmlos. Warum können Menschen daran sterben?
Hierfür gibt es mehrere Gründe: Oft kommt es gerade bei unterernährten Patienten oder bei Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes mellitus zu einer bakteriellen Superinfektion, die dann zu einer Lungenentzündung führt. Davon können übrigens auch junge Patienten betroffen sein. 1918 wurden Verstorbene obduziert, die an der „Spanischen Grippe“ verstorben sind. Bei fast allen Verstorbenen fanden sich in den Lungen und im Blut Pneumokokken - das sind Bakterien, die unter anderem Lungenentzündungen, Blutvergiftungen und Mittelohrentzündungen verursachen können. Weniger bekannt ist, dass eine Influenzainfektion das Risiko massiv erhöht, während der Erkrankung einen Herzinfarkt zu bekommen.

Manche Menschen beklagen Nebenwirkung nach Impfung, kann das sein?
Das kann gut sein. Als Nebenwirkung können bei einigen Menschen unter anderem Muskelschmerzen, Schmerzen an der Einstichstelle und leichte Kopfschmerzen auftreten – jeder reagiert da unterschiedlich. Diese Symptome zeigen, dass der Körper auf die Impfung mit der Bildung von Antikörpern reagiert.
Andere beklagen nach dem Impfen hohes Fieber, Husten oder eine verstopfte Nase. Das Anzeichen für das Auftreten einer echten Grippe?
Das glauben viele, ist aber unmöglich. Bei der Injektion zur Influenza-Impfung handelt es sich um einen Totimpfstoff. In der Injektionslösung kann sich also kein einziges lebendes Viruspartikel befinden.

Warum haben dann so viele Menschen diese Erfahrung gemacht?Die Erklärung ist einfach. Wir impfen meist im Oktober, teilweise auch bis in den November hinein. Zu diesem Zeitpunkt zirkulieren schon viele Erkältungsviren. Vermutlich haben sich einige schon vor der Grippeimpfung mit einem Erkältungsvirus infiziert. Zudem schützt die Influenza-Impfung nur vor der echten Grippe, nicht aber vor grippalen Infekten.

Wie häufig muss gegen Grippe geimpft werden?
Gegen Grippe muss leider jedes Jahr neu geimpft werden. Die Grippeviren verändern sich immer wieder.

Gibt es dafür verschiedene Impfstoffe?
Ja. Die konventionellen Impfstoffe haben drei Antigene – zwei gegen Influenza A und eines gegen Influenza B. Wir nennen sie deshalb trivalent. Seit einigen Jahren gibt es tetravalente Grippeimpfstoffe mit einem zusätzlichen Antigen gegen Influenza B. Diese wirken insbesondere dann besser, wenn in der jeweiligen Saison neue Influenza-Viren vom Typ B zirkulieren.

Werden die tetravalenten Impfstoffe auch von der Krankenkasse bezahlt?
Das ist innerhalb von Deutschland unterschiedlich und wird von der jeweiligen kassenärztlichen Vereinigung geregelt. Dazu sollte jeder seinen Hausarzt oder Geriater vor Ort fragen.

Gibt es spezielle Grippeimpfstoffe für ältere oder immunschwache Menschen?
Ja, die gibt es. Bei älteren oder immungeschwächten Menschen wirken die normalen Grippeimpfstoffe nicht so gut, weil das Immunsystem weniger Antikörper bildet. In Deutschland sind deshalb speziell für Menschen ab dem 65. Lebensjahr Impfstoffe mit einem Wirkungsverstärker zugelassen.


Warum wird dann nicht jeder mit diesen Impfstoffen geimpft?
Weil dieser Wirkungsverstärker oft zu verstärkten Lokalreaktionen führt. So kann der Arm anschwellen und schmerzen.

Sollte man sich zusätzlich zur Influenzaimpfung gegen Pneumokokken impfen lassen?

Im Rahmen von Influenza-Erkrankungen treten gehäuft zusätzliche Infektionen mit Pneumokokken (Lungenentzündungserreger) auf. Deshalb sollten Personen, für die die Pneumo¬kokken- und die Influenza¬impfung empfohlen werden, beide Impfungen erhalten. Die Ständige Impf¬kommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Pneumo¬kokken für alle Säuglinge und Klein¬kinder bis zum vollendeten 2. Lebens¬jahr mit einem Pneumo¬kokken-Konjugat¬impf¬stoff. Zudem wird die Impfung für Personen ab 60 Jahre mit einem Pneumo¬kokken-Poly¬saccharid¬impf¬stoff (PPSV23) empfohlen.

Für Patienten mit Immunsuppression (erworbene oder angeborene) – also auch für organtransplantierte Patienten-, wird die Pneumokokkenimpfung ebenfalls empfohlen. Hier sollte eine sequentielle Impfung erfolgen: Zuerst mit 13-valenten Konjugat-Impfstoff (PCV13) gefolgt von PPSV23 nach 6 – 12 Monaten, wobei PPSV23 erst ab dem Alter von 2 Jahren gegeben werden soll.

 J. Riemer
Quelle: PM der DGG v. 20.9.2017, Empfehlungen der STIKO - Epidemiologisches Bulletin des Robert-Koch-Instituts v.24.8.2017

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Lebertransplantierte Deutschland e.V.
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Telefon: 02302/1798991
Fax: 02302/1798992

E-Mail: geschaeftsstelle(at)lebertransplantation.de

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