Erstes bundesweites Netzwerk für Familien von Organspendern nimmt seine Arbeit auf

Lebertransplantierte Deutschland e.V. legt Grundstein für eine wichtige Initiative –
Erstes bundesweites Netzwerk für Familien von Organspendern nimmt seine Arbeit auf


Angehörige von Organspendern haben jetzt erstmals auch in Deutschland die Möglichkeit, sich vor oder nach ihrer Entscheidung zur Organentnahme vom „Netzwerk Spenderfamilien“ beraten zu lassen. Die neue Gruppierung hat im Rahmen des 134. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), der vom 21. bis 24. März 2017 in München stattfand, ihr Projekt vorgestellt. Vor über einem Jahr startete es mit einem ersten Treffen. 2017 geht es weiter mit einem Seminar in Frankfurt. Als Anschubfinanzierung dienen Spenden in Höhe von 10.000 Euro, die bei einem Benefizlauf anlässlich des Chirurgenkongresses eingenommen wurden.
DGCH-Präsident Professor Dr. med. Tim Pohlemann übergab den Spendenscheck am vergangenen Freitag offiziell an Netzwerk-Initiatorin und Bundesvorsitzende Lebertransplantierte Deutschland e. V., Jutta Riemer, und Marita Donauer, Spenderangehörige und Mitglied des Gründungsteams. Das Netzwerk bietet ab sofort allen Interessierten seine Unterstützung an.

Angehörige von Organspendern hatten bisher in Deutschland keine politische Stimme. „Das gab es bisher nur in der Schweiz, obwohl ein solcher Bedarf ganz klar auch bei uns existiert“, erklärte Professor Dr. med. Tim Pohlemann. Mit der Gründung des „Netzwerks Spenderfamilien“ solle sich dies nun ändern. „Es ist sehr wichtig, mit allen Beteiligten im Dialog zu bleiben, um das Vertrauen in die Organspende zu stärken“, so Pohlemann. Angehörige, die darüber entscheiden sollen, befänden sich oft in einer schwierigen Ausnahmesituation. Dies kann auch lange nach der Spende so sein.

Marita Donauer, Mitglied des Netzwerk-Gründungsteams, kennt diese Situation aus persönlicher Erfahrung. Vor elf Jahren erlag ihr Bruder unerwartet einem Gehirnaneurysma, die Mediziner stellten den Hirntod fest. „Ich kannte den Willen meines Bruders bezüglich einer Organspende nicht“, sagt Donauer. „Ich musste eine Entscheidung für ihn treffen, mit der auch ich selbst gut weiterleben konnte.“ Marita Donauer gab schließlich sieben Organe des verstorbenen Bruders zur Transplantation frei. „Davon sind sechs Empfänger heute noch am Leben, und es ist immer wieder sehr bewegend, dankbare Organempfänger zu treffen“, berichtet die 53-jährige Rheinland-Pfälzerin. „Es war die richtige Entscheidung.“ Geholfen habe ihr dabei das Gespräch mit Organempfängern, vermittelt durch die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO).

Das „Netzwerk Spenderfamilien“ steht für das Ja zur Organspende, für sachlich korrekte Information, gegenseitiges Verständnis zwischen Organempfängern und Spenderfamilien sowie Hilfen in der Situationsverarbeitung. Darüber hinaus will die Organisation einen flächendeckenden, würdevoll-professionellen Umgang mit den Angehörigen vor, während und nach einer Organspende thematisieren und die Anerkennung der Organspender und deren Familien fördern. Allen, die vor der Entscheidung einer Organspende stehen, steht das Netzwerk auf Anfrage für Gespräche zur Verfügung. „Wir wollen den Angehörigen helfen, die Situation dauerhaft gut zu bewältigen.“, betont Marita Donauer. Interessierte können das Netzwerk über die Organisation „Lebertransplantierte Deutschland e.V.“ kontaktieren (http://www.lebertransplantation.eu), dort ist die Vertretung der Spenderfamilien als eigenständige Gruppe angegliedert.
Jutta Riemer und Marita Doanuer bedankten sich bei den Spendern für die großzügige finanzielle Unterstützung und die Fürsprache durch Herrn Prof. Tim Pohlemann, DGCH, und Herrn Thomas Biet, DSO.

Der Benefizlauf wird alljährlich zum Kongress unter dem Namen „Organspendelauf“ abgehalten – abwechselnd in Berlin und München. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass Organspenden Leben retten können“, so Pohlemann. Derzeit warten bundesweit über 10.000 Patienten auf eine lebenswichtige Organtransplantation, täglich versterben drei Patienten auf der Warteliste. In diesem Jahr führten die Laufstrecken über 4,8 und 9,6 sowie 4 x 1,2 Kilometer entlang am Messesee vor dem Internationalen Congress Center München (ICM) und durch den Riemer Park. Insgesamt 177 Läufer nahmen teil, darunter Chirurgen, Studierende und Münchner. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege unterstützte den Lauf finanziell.
Quelle: Pressemitteilung der DGCH vom 29.3.2017 (Kerstin Ullrich)


Kontakte für das Netzwerk Spenderfamilien:
Brigitte Herzog, Spenderangehörige, deren Tochter Organe spendete. Tel: 09406-90402, Mail: brigitte.herzog@lebertransplantation.de
Marita Donauer, Spenderangehörige , deren Bruder Organe spendete. Tel: 06371/63616, Mail: marita_donauer@gmx.de
Jutta Riemer, seit 1997 transplantierte Patientin, Tel: 07946 / 940187, Mail: jutta.riemer@lebertransplantation.de.
 

Spendenscheckübergabe: Im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Chirurgenkongresses wurde ein Scheck in Höhe von 10.000,-€ an das Netzwerk Spenderfamilien überreicht.

Spendenscheckübergabe: Im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Chirurgenkongresses wurde ein Scheck in Höhe von 10.000,-€ an das Netzwerk Spenderfamilien überreicht. V.l. Prof. Dr. Pohlmann, Kongresspräsident und Vorsitzender der DGCH, Jutta Riemer, Vorsitzende Lebertransplantierte Deutschland und Initiatorin des Netzwerkes, Marita Donauer, Angehörige eines Organspenders und Mitbegründerin des Netzwerkes

Organspendelauf im Rahmen des 134. Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie in München

Mit Organspendeausweis: Professor Dr. med. Tim Pohlemann, Präsident der Deutschen Chirurgischen Gesellschaft (DGCH); Speerwurf-Legende Klaus Wolfermann; Ingalena Heuck, Deutsche U-23-Meisterin über 10.000 Meter; Ulrich Roth, Handball-Ex-Nationalspieler; Professor Dr. Dr. med. Peter Paul Schmittenbecher, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH); Professor Dr. med. Bernd Tillig, stellvertretender Präsident der DGKCH; Professor Dr. med. Matthias Anthuber, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie am Klinikum Augsburg und Past-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Fotoquelle: Peter Schmalfeldt

Organspendelauf im Rahmen des 134. Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie in München

Mit Organspendeausweis: In der Mitte Ingalena Heuck, Deutsche U-23-Meisterin über 10.000 Meter. Links von ihr Speerwurf-Legende Klaus Wolfermann, er gab den Startschuss mit der Hupe, rechts von Ingalena Heuck steht Ulrich Roth, Handball-Ex-Nationalspieler und heutiger Manager der Musikgruppe PUR. Fotoquelle: Peter Schmalfeldt

Kontakt

Lebertransplantierte Deutschland e.V.
Montag - Donnerstag 10:00 bis 15:00 Uhr 

Telefon: 02302/1798991
Fax: 02302/1798992

E-Mail: geschaeftsstelle(at)lebertransplantation.de

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