Rückkehr ins Leben

1989 wurde bei mir eine autoimmune chronische Hepatitis diagnostiziert. Damals besuchte ich noch das Technische Gymnasium in Heidelberg. Eine Lebertransplantation wurde zwar mal angesprochen, aber da sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Frage kam auch nicht weiter verfolgt.

Therapiert wurde ich mit einem Cortisonpräparat, weil ich Interferon nicht vertragen habe.

Die Zeit bis 2003 konnte ich mit einer Dauerdosis von 10mg Cortison am Tag gut überbrücken. Die manchmal auftretenden Erhöhungen der Transaminasen wurden mit einer erhöhten Cortisontherapie behandelt.

Nach dem Abitur 1991 erkrankte ich noch an Diabetes. Ich begann damals auch eine Lehre als Technische Zeichnerin bei einer Firma, bei der ich auch heute noch arbeite.

Die Leber wurde mit der Zeit zirrhotisch und die Milz durch den Rückstau des Blutes vergrößert. Die Folge waren Ösophagusvarizen, die mehrmals mittels Ligaturen beseitigt wurden, die aber nie bluteten.

Im Frühjahr 2003 stiegen die Leberwerte und konnten auch durch erhöhte Cortisoneinnahme, bis 100mg am Tag, nicht gesenkt werden. So kam es wie es kommen musste. Im November 2003 hatte ich meine erste Hepatische Enzephalopathie. Ich wurde sofort allen notwendigen Untersuchungen unterzogen um gelistet zu werden.

So nun war ich erst einmal auf unbestimmte Zeit krank geschrieben. Da mir eine Wartezeit bis zu einem Jahr in Aussicht gestellt wurde. Der Arbeitgeber wurde informiert. Meine Kollegen reagierten sehr betroffen, sie wussten zwar von meiner Erkrankung, aber dass es so schlimm ist, haben sie nicht erwartet.
Nach dem ersten zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt war ich nur eine Woche zu Hause bis die nächste Hepatische Enzephalopathie auftrat. Wieder eine Woche Krankenhaus. Danach änderte sich mein Leben. Kein Autofahren, nicht mehr allein wohnen, ständige Kontrolle durch meine Familie. Zum Glück wohnen meine Eltern und mein Bruder mir gegenüber, so konnte mein Vater (der Rentner ist) mich betreuen. Die dritte Hepatische Enzephalopathie wurde von meiner Familie im Vorfeld erkannt und so konnten sie mich diesmal ohne Krankenwagen in die Klinik bringen.

Und schon einen Tag später kam am Abend von dem Stationsarzt die erlösende Nachricht, dass ein passendes Spenderorgan für mich bereit stand. Die Freude war groß. Die Operation wurde am 15. Dezember 2003 um 2 Uhr Morgens durchgeführt. Die Operation verlief ohne Komplikationen. Die Nieren waren eher unsere Sorge, da sie nach der OP nicht wider richtig „ansprangen“. Aber das haben die Ärzte auch in den Griff bekommen. Nach 10 Tagen wurde ich von der Chirurgie in die Medizinische Klinik (Krehl-Klinik) verlegt. Leider musste ich 8 Wochen im Krankenhaus bleiben, da meine Narbe nicht gut verheilte. Sie musste nochmals geöffnet werden. In dieser Zeit machte man sich natürlich Gedanken. Wie geht das Leben weiter? Was kann ich wieder alles machen? Kann ich wieder normal arbeiten gehen? Kann ich wieder meinem Hobby, dem Reiten, weiter nachgehen? Durch die kurze Wartezeit hatte ich keine Möglichkeit, mir im Vorfeld darüber ausreichend Gedanken zu machen. Der Rückhalt durch meine Familie und meinen Freundeskreis half mir über die manchmal auftretenden depressiven Tage hinweg. Auch die Kollegen und mein Chef wollten ständig über meinen Gesundheitszustand informiert werden. Wir standen oft in telefonischem Kontakt, und ich wurde auch oft von ihnen besucht.

Die Frage, ob meine Arbeitsstelle für mich freigehalten wurde, stand nie. Ich bekam immer die Aussage „Wir brauchen dich und warten, bis du wieder gesund bist!“

Doch mir selbst kamen Zweifel, mein Arbeitsplatz ist in einem Großraumbüro mit Klimaanlage. Und alle Informationen die ich hatte warnten vor einer Klimaanlage. Die Gefahr sich dauernd zu infizieren war groß. Aber die Antwort von Freunden, Familie und Kollegen war, dass ich mich nicht verrückt machen soll und es erst mal auszuprobieren. Nach dem Krankenhausaufenthalt folgte eine 4-wöchige Kur in Bad Mergentheim. So langsam fand ich wieder in mein altes Leben zurück. Ich zog wieder in meine Wohnung. Besuchte Freunde, Verwandte, meine Arbeitsstelle und natürlich mein Pferd. Je besser man sich körperlich fühlte desto wichtiger wurde die Aussicht bald wieder arbeiten zu gehen. Nachdem die Narbe endlich verheilte, konnte ich auch endlich wieder reiten gehen. Lesen, fernsehen, schlafen und am Computer sitzen brachten mir nicht mehr die nötige Befriedigung. Ich wollte unbedingt wider meinen Kopf anstrengen. Nach Absprache mit meinem Hausarzt und meinem Chef fing ich am 1. Mai 2004 wieder für 3 Stunden an zu arbeiten. Die Wiedereingliederung ins Berufsleben wurde durch die Krankenkasse finanziert. Ich bekam weiter Krankengeld und ging aber trotzdem zur Arbeit. Nach 4 Wochen steigerten wir die Stundenzahl auf 5. Nach weiteren 4 Wochen, also am 1. Juli konnte ich wieder voll ins Berufsleben einsteigen. Die anfänglichen Ängste wegen der Klimaanlage haben sich nicht bestätigt. Ich habe nicht öfter als „normale“ Menschen eine Erkältung. Das normale Leben hatte mich wieder.Im Nachhinein kann ich sagen, ohne den Rückhalt meiner Familie, meiner Freunde hätte ich diese Zeit nicht so gut bewältigt. Auch die Aussicht, wieder arbeiten zu gehen, also den Job nicht zu verlieren, haben mir Rückhalt gegeben.Ich möchte mich auch ganz herzlich bei den Ärzten und dem Pflegepersonal der Uniklinik Heidelberg bedanken. Dank auch an die Angehörigen des Spenders, dem ich mein neues Leben zu verdanken habe.

Kontakt

Lebertransplantierte Deutschland e.V.
Montag - Donnerstag 10:00 bis 15:00 Uhr 

Telefon: 02302/1798991
Fax: 02302/1798992

E-Mail: geschaeftsstelle(at)lebertransplantation.de

Mitmachen - Mithelfen

Sie möchten Mitglied werden?
Hier gehts zur Beitrittserklärung

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen?
Hier können Sie spenden

Mein Ausweis meine Entscheidung