Geschenktes Leben seit mehr als einem Vierteljahrhundert

1983 wurde bei mir die Diagnose Budd-Chiari Syndrom gestellt. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung was das bedeutete.

In der Uniklinik Essen wurde eine medikamentöse Therapie sowohl zur Blutverdünnung als auch zur Ausschwemmung angesetzt. Desweiteren wurde ich auf salzarme Ernährung umgestellt. Die Leberfunktion war durchaus noch ausreichend. Im September 1984 musste ich dann noch einmal für einige Wochen nach Essen in die Klinik, da ich wieder Bauchwasser eingelagert hatte. Jetzt fiel dann auch bei den Ärzten zum ersten Mal das Wort "Lebertransplantation", die eventuell in ein paar Jahren mal auf mich zukommen könnte, zum damaligen Zeitpunkt aber kein aktuelles Thema war. Also wollte ich mich jetzt auch noch gar nicht damit auseinandersetzen und belasten, das hatte ja noch Zeit. Da in Essen noch nicht transplantiert wurde, nahmen die Ärzte Kontakt mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) auf. So bekam ich dort für Anfang Januar 85 einen Termin zur stationären Aufnahme. Mittlerweile hatten sich auch Ösophagusvarizen (Krampfadern in der Speiseröhre) gebildet und es sollte in der MHH ein Shunt (Umgehungskreislauf) gelegt werden. Nach einigen Untersuchungen wurde Ende Januar 85 eine Anastomose (künstlich geschaffene Verbindung zwischen Blutgefäßen) durchgeführt. Doch nach der Operation trat eine massive Aszitesproduktion auf, so dass Anfang Februar ein zweiter Shunt gelegt wurde. Dabei kam es dann zum akuten Leberversagen. So erfolgte am 8. Febr. 1985 notfallmäßig die Transplantation. Von all den Zwischenfällen nach den Operationen habe ich nichts mitbekommen. Heute weiß ich nur noch, dass ich aus der Narkose aufgewacht bin und gefragt habe, was denn los sei. Da sagte man mir, dass meine Eltern einer Transplantation zugestimmt hatten und dass dies geschehen sei. Irgendwie war ich erleichtert, dass ich das nun hinter mir hatte. Wenn ich heute daran zurückdenke, ist es für mich immer noch ein Wunder, dass innerhalb von 36 Stunden ein passendes Organ gefunden wurde. Nach vielen Komplikationen wurde ich nach sechs Monaten Aufenthalt in der MHH (davon vier auf der Intensivstation), in die Reha nach Bad Driburg entlassen. Hier wurde ich dann erst mal wieder ein wenig aufgebaut. 

Ich darf nun schon 27 Jahre mit der gespendeten Leber leben, was für mich und meine Familie das allergrößte Geschenk überhaupt ist. Natürlich gab es in all den Jahren Höhen und Tiefen, aber die Leber hat nie aufgehört gut zu arbeiten. Was hätte ich alles nicht erleben können, wenn kein rettendes Organ gefunden worden wäre, z.B. ich hätte meinen Mann nicht kennengelernt, das Heranwachsen meiner Nichten und meines Neffen. Auch die vielen schönen Reisen, die ich unternommen habe, z.B. in die USA oder aber auch eine Kanarentour mit der Aida, wären nicht möglich gewesen. Als ich dann 1998 den Verein Lebertransplantierte Deutschland e.V. kennenlernte, war es mir wichtig als Ansprechpartnerin für andere Betroffene aktiv zu werden, da mir nach meiner OP jemand zum Erfahrungsaustausch gefehlt hat. Auch ist mir durch meine eigene Geschichte klar geworden, wie wichtig das Thema Organspende ist. Es ist wichtig sich früh genug Gedanken darüber zu machen und offen in der Familie darüber zu sprechen. Für mich, meine Familie und meinen Freundeskreis war es schnell selbstverständlich, einen Organspendeausweis auszufüllen.

Kontakt

Lebertransplantierte Deutschland e.V.
Montag - Donnerstag 10:00 bis 15:00 Uhr 

Telefon: 02302/1798991
Fax: 02302/1798992

E-Mail: geschaeftsstelle(at)lebertransplantation.de

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