Impfungen zur Prävention der Hepatitis A und B

Unter den bislang bekannten Hepatitis- Viren spielen in Deutschland vor allem das Hepatitis A- Virus (HAV), das Hepatitis B- Virus (HBV) und das Hepatitis C- Virus (HCV) eine bedeutende klinische Rolle. Während das enteral übertragene HAV nur akute Hepatitiden verursacht, zeichnen die parenteral übertragenen Viren HBV und HCV auch für chronische Infektionen verantwortlich. Vor allem die Folgen der chronischen Hepatitis B und C wie Leberzirrhose und hepatozelluläres Karzinom sind von großer persönlicher Bedeutung für die betroffenen Patienten und darüber hinaus von erheblicher sozialpolitischer Tragweite.

Zur Vermeidung der Hepatitis A und B stehen effektive passive und aktive Impfstoffe zur Verfügung. Eine entsprechende VakzineEin Impfstoff oder eine Vakzine (von lateinisch vaccina, „die von Kühen Stammende“; vergleiche Vakzination) ist ein biologisch oder gentechnisch hergestelltes Antigen, meist bestehend aus Protein- oder Erbgutbruchstücken, abgetöteten oder abgeschwächten Erregern. Der Impfstoff dient im Rahmen einer Impfung zur spezifischen Aktivierung des Immunsystems hinsichtlich eines bestimmten Erregers bzw. einer Erregergruppe.Dazu wird die Reaktion des Immunsystems ausgenutzt, bei Vorhandensein von Erregern bzw. deren spezifischen Teilen (z. B. Oberflächenproteine als Antigene) eine Immunantwort zu provozieren. Diese führt zur Ausbildung von Antikörpern und spezialisierten T-Helferzellen, die dann einen lange anhaltenden Schutz vor der jeweiligen Krankheit bieten, der je nach Erreger zwischen einigen Jahren und lebenslang anhalten kann. für HCV ist gegenwärtig nicht in Sicht.

Hepatitis A - Impfstoffe

Passive Immunisierung

Ein passiver Schutz gegen eine Hepatitis A- Infektion kann durch Standardimmunglobulin (SIG) erreicht werden, welches anti- HAV Antikörper enthält. durch eine Verabreichung von 0,02- 0,06 mg/kg Körpergewicht kann ein etwa drei Monate anhaltender Schutz bewirkt werden. Neben einer präexpositionellen Prophylaxe, bsp. vor der Reise in eine Hochrisikogebiet, kann SIG auch postexpositionell eingesetzt werden, wie es nach engem Kontakt mit einem Erkrankten erforderlich sein kann. Die Applikation von SIG kann zu Temperaturerhöhungen oder Überempflindlichkeitsreaktionen führen.

Der wesentliche Nachteil in der passiven Immunisierung ist darin zu sehen, dass entsprechend der Halbwertszeit der verabreichten Antikörper nur ein vorübergehender Schutz erreicht wird. Daher sollte, wenn möglich, einer aktiven Schutzimpfung der Vorzug gegeben werden.

Aktive Immunisierung

In Deutschland stehen zur Zeit die Impfstoffe Havrix®1440 der Firma Smith- Kline Beecham Pharma und VAQTA® 50 E der Firma Behring für Erwachsene zur Verfügung. Für Kinder sind HAVRIX®Kinder 360 und VAQTA®K 25 E erhältlich. In beiden Fällen handelt es sich um formalin- inaktivierte Viruspartikel, die an Aluminiumhydroxyd absorbiert sind.

Erwachsene erhalten eine Grundimmunisierung mittels einmaliger intramuskulärer (M. deltoideus) Injektion und eine Auffrischungsimpfung zum Erzielen eines Langzeitschutzes nach 6 bis 12 Monaten. Für Kinder zwischen 1 und 12 Jahren wird eine Grundimmunisierung durch zwei Impfungen im Abstand von 4 Wochen und eine Auffrischimpfung nach 6 bis 12 Monaten empfohlen. da schon 2 Wochen nach Grundimmunisierung rund 80 % der Impflinge einen ausreichenden Antikörperschutz entwickeln, ist die aktive Immunisierung auch kurzfristig, z. B. vor Auslandsaufenthalten einsetzbar. Die Nebenwirkungen der Impfung sind in aller Regel mild und treten vor allem als lokale Reaktionen wie Rötung und Schwellung auf. Selten kommt es zu Fieber und Kopfschmerzen.

Eine Impfung wird für folgende Personengruppen empfohlen:

  • Reisende in Endemiegebieten, insbesondere wenn die Reiseumstände Infektionen wahrscheinlich machen
  • medizinisches Personal auf Intensivstationen
  • Personal von Kindertagesstätten
  • Drogenabhängige
  • Homosexuelle
  • Angestellte von Klärwerken

Bei der Einschätzung des Infektionsrisikos ist dem fäkal- oralen Infektionsweg Rechnung zu tragen. Da die komplette (zweimalige) Impfung des Erwachsenen Kosten von rund 200 DM für den Impfstoff verursacht, erscheint es sinnvoll, den Personenkreis der über 40jährigen, bei denen eine HAV- Durchseuchung von 50 bis 80 % zu erwarten ist, hinsichtlich anti- HAV vorzuuntersuchen. Der anti- HAV- Status verursacht nur geringe Kosten. Die Kosten der Impfung müssen Reisende selbst tragen.

Hepatitis B Impfstoffe

Passive Immunisierung

Ein passiver Schutz gegen eine Hepatitis- B- Infektion kann durch Hyperimmunglobulin in einer Dosis von 0,06 ml/kg Körpergewicht intramuskulär erreicht werden. Dies ist jedoch nur bei nicht immunen Personen nach Kontakt mit HBV- haltigem Material im Sinne einer Postexpositionsprophylaxe indiziert. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sehen eine solche passive Immunisierung für Neugeborene HBsAg- positiver Mütter vor sowie für Personen, die sich mit möglicherweise kontaminierten Gegenständen verletzt haben, beispielsweise im Sinne einer Nadelstichverletzung bei medizinischem Personal.

Die passive Immunisierung sollte dann mit einer aktiven Immunisierung verknüpft werden. Die Passivimpfung ist sehr teuer und bietet nur einen etwa 70- 90% Schutz vor einer HBV- Infektion. Sie muss innerhalb von 48 h nach Exposition erfolgen.

Aktive Immunisierung

Nachdem in der Frühphase der Hepatitis B- Vakzinierung inaktivierte HBsAg- Partikel aus Patientenserum verwendet wurden, stehen heute gentechnologisch in Hefezellen hergestellte Impfstoffe zur Verfügung. In Deutschland kommen Engerix®B der Firma SchmithKline Beecham Pharma und Gen H- B- Vax® D für Dialysepatienten zum Einsatz. Diese Impfstoffe enthalten an Aluminiumhydroxid adsorbiertes HbsAg in unterschiedlicher Dosierung.
Das übliche Impfprotokoll sieht eine Dreifachimpfung zum Zeitpunkt 0, 1 und 6 Monaten vor. Die Applikation erfolgt in den M. deltoideus. Dies führt zur Bildung protektiver Antikörper bei über 95% der Personen. Bestimmte Personengruppen wie Dialysepatienten zeigen eine niedrigere Ansprechrate, so dass hier eine Erhöhung der Einzeldosis an HBsAg auf 40µg (z. B. Gen H- B- Vax® D) empfohlen wird. Bei Nichtansprechen können wiederholte Impfversuche unternommen werden. Bei einem Teil der Patienten kann die Impfung zu lokalen Nebenwirkungen wie Schwellung und Rötung führen; darüber hinaus gehende systemische Nebenwirkung sind sehr selten.
Vor der Impfung sollte eine Kontrolle des anti- HBs- Titers erfolgen, da in der Bevölkerung mit nur niedrigen Durchseuchungsraten zu rechnen ist und die Gesamtimmunisierung mit 300 bis 400 DM hohe Kosten verursacht.

Die STIKO empfiehlt die aktive Hepatitis B- Impfung für:

  • medizinisches Personal » Dialysepatienten
  • Patienten mit häufiger Behandlung mit Blutprodukten
  • Patienten in psychiatrischen Anstalten
  • Homosexuelle » Drogenabhängige
  • Langzeitreisende in Endemiegebieten.

Falls die Notwendigkeit zur passiven Hepatitis- B- Immunprophylaxe gegeben ist, sollte parallel aktiv immunisiert werden. Auch Säuglinge bzw. 12jährige Kinder sollten heute geimpft werden. In Deutschland wird eine Auffrischimpfung bei einem Anti- HBs- Titer von weniger als 10 mU/ml empfohlen.

Kombinierter Hepatitis A und B- Impfstoff

Als Alternative zur aktiven Immunisierung gegen die einzelnen Viren besteht die Möglichkeit zur kombinierten Immunisierung gegen Hepatitis A und B mittels Twinrix® der Firma SmithKline Beecham Pharma. Das Impfschema entspricht dem bei Hepatitis B (O, 1 und 6 Monate), die Komplettimpfung mit der Kombinationsvakzine ist mit 128 DM pro Einzeldosis billiger als bei Verabreichung der Einzelimpfstoffe. Die Ergebnisse sind mit den durch die Einzelvakzinen erreichten vergleichbar.

Impfung des lebertransplantierten Patienten

Aufgrund der notwendigen Immunsuppression nach Transplantation sind die Ansprechraten auf Impfungen in dieser Patientengruppe generell schlechter als bei immunkompetenten Patienten. Falls die Lebertransplantation vorbereitet werden kann ist es daher sinnvoll, vor Transplantation eine Impfung gegen Hepatitis B durchzuführen. Nach einer Transplantation kann eine Verbesserung der niedrigen Ansprechraten durch Dosiserhöhung wie bei Dialysepatienten erfolgen. Allerdings ist ein dauerhafter Schutz nur für einen kleinen Teil der Impflinge erreichbar.

Für die Hepatitis A Impfung beim Transplantierten liegen keine größeren Daten vor, jedoch ist auch hier für die aktive Immunisierung von einer schlechteren Ansprechrate auszugehen. Generell sollten Transplantationspatienten Reisen in Hochrisikogebiete unter schlechten hygienischen Bedingungen vermeiden.


Prof. Dr. Peter R. Galle
Direktor der I. Med. Klinik u. Poliklinik
Joh. Gutenberg- Universität, Mainz

 

Hinweis:
In den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission bei Robert- Koch- Institut (STIKO) werden die Hepatitis- A und -B Impfungen jeweils auch für Patienten mit chronischen Lebererkrankungen empfohlen, die noch keine Antikörper gegen den Virus besitzen. Den vollständigen Text der Empfehlungen können Sie hier als Datei im pdf- Format laden (Stand: Juli 2002).

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Lebertransplantierte Deutschland e.V.
Montag - Donnerstag 10:00 bis 15:00 Uhr 

Telefon: 02302/1798991
Fax: 02302/1798992

E-Mail: geschaeftsstelle(at)lebertransplantation.de

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